Lebensfreude pur: Der syrische Junge Salim ist voller Energie, trotz hartem Schicksal. Foto: Hasan Belal

«Ich habe die Kraft, meine Träume zu verwirklichen»

Salim (10) ist so alt wie der Krieg in seinem Heimatland Syrien. Bei einem Minenunfall hat er beide Beine verloren. Trotzdem ist Salim voller Energie und hofft auf die Zukunft.

Von Fabrice Boulé und Zeina Shahla* 

Die Stadt Jarba in der Nähe von Damaskus stand im Krieg monatelang unter Dauerbeschuss, als die syrische Armee versuchte, die Widerstandskämpfer*innen zu vertreiben. Spitäler und Schulen wurden bombardiert. Es gab Tausende von zivilen Opfern. Heute liegt Jarba in Ruinen – wie so viele Orte in Syrien.

Ein folgenschwerer Minenunfall

Salim und seine Familie versuchen hier, ihr Leben auf den Trümmern wiederaufzubauen. Minen stellen eine grosse Gefahr dar. Vor gut zwei Jahren riss eine solche Mine Salim beide Beine ab und tötete seine zwei Brüder. «Ich höre jetzt noch, wie die Kinder mich verzweifelt herbeigerufen haben», erinnert sich Salims Mutter Leila. «Ich werde den Tag nie vergessen.»

Als hätte sie nicht schon genug Leid erlitten, verschwand zu jener Zeit auch ihr Mann, von dem sie nie wieder etwas hörte. Von einem Tag auf den andern allein mit Salim und der älteren Tochter unternahm Leila alles, um ihren Sohn behandeln zu lassen. «Er ist noch zu jung für Prothesen. Im Moment hat er lieber seinen Rollstuhl. Er hat eine unglaubliche Energie und verbreitet überall Freude», sagt Leila trotz allem lächelnd.

Schulzimmer ohne Türen und Fenster

Salim hat viele Freunde, die ihn beschützen. Frühmorgens verlässt er mit seiner Mutter und seiner Schwester das Haus. Sofort eilen seine Freunde herbei und schieben seinen Rollstuhl durch die Strassen bis zur Schule. «Sie haben sogar das Klassenzimmer ins Erdgeschoss verlegt für mich», freut sich der Junge. «Aber es gibt trotzdem ein paar Stufen bis zu meinem Pult. Jetzt im Winter friere ich sehr», fügt er in gutem Englisch, seinem Lieblingsfach, hinzu. Kein Wunder – in einer Schule ohne Türen und Fenster, mit von Schüssen durchlöcherten Mauern.

Unter diesen Bedingungen zu lernen ist nicht einfach. Es mangelt auch an Lehrer*innen und die Klassen sind riesig. Salim zeichnet gerne Bäume und die Natur – er ist sehr geschickt und bastelt oft Objekte aus Holz oder Metall. «Ich möchte Ingenieur werden. Das ist zwar schwierig, aber ich spüre, dass ich die Kraft dazu habe. Ich möchte meine Träume verwirklichen, auch wenn ich im Rollstuhl sitze», sagt Salim.

*Fabrice Boulé ist Leiter Kommunikation Westschweiz bei Caritas Schweiz, Zeina Shahla ist Journalistin in Syrien.

Das katholische Hilfswerk Caritas Schweiz leistet in Syrien zusammen mit Partnerorganisationen Nothilfe,  zudem wurde das Engagement im Bereich Bildung und Einkommenssicherung stetig ausgebaut. Laut Angaben des Hilfswerks gehen in Syrien mehr als zwei Millionen Kinder nicht in die Schule, 1,3 Millionen müssten diese möglicherweise ohne Abschluss verlassen. Viele hätten die Schule wegen dem Krieg abbrechen oder unterbrechen müssen.

Gemäss den Vereinten Nationen sind sechs Millionen junge Menschen für die Schulbildung in ihrem Land auf Unterstützung angewiesen. Zudem fehle es in Syrien heute an rund 140'000 Lehrpersonen. In Jarba hat Caritas zwei Schulen für rund 800 Kinder wieder aufgebaut. Das Hilfswerk steht den Lehrpersonen laut eigenen Angaben zudem mit pädagogischer Unterstützung bei und stellt Schulmaterial zur Verfügung, damit Kinder sich sicher fühlen und lernen könnten. Zwei Mal in der Woche seien Caritas-Teams in der Schule und organisierten Aktivitäten mit den Kindern.

 

 

 

 

10. März 2021
erstellt von «pfarrblatt»
  • Pfarrblatt / Angelus