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Jeden Abend spreche ich es aus

Worte aus der Bibel können durchaus tragen, wenn eigene Gedanken dem Erlebten hinterherhinken

Nach einem Unfall etwa ist es für Betroffene kaum zu fassen, was mit ihnen geschehen ist. Einerseits erzählen sie, was sie gesehen oder gehört oder erlebt haben. Mit einer anderen Seite von sich erleben sie, wie es ihnen immer wieder entgleitet, wie sie nicht nachkommen oder plötzlich überflutet werden. Oft wussten sie gar nicht, dass sie so vielschichtig sind. Ebenso fremd ist ihnen, dass sie so oszillieren zwischen verstehen können und überschwemmt werden, zwischen mitsteuern können und sich ausgeliefert fühlen und ansatzweise merken, was ihnen widerfahren ist. Und was sie erlebt haben punkto Glauben. Was ihr vom Glauben her wichtig geworden sei, wurde eine so Betroffene von ihrer Seelsorgerin gefragt.

«Wer bin ich jetzt, in diesem fragilen und ungewissen Zustand?», fragte eine Betroffene sich selber. Einer sagte mir: «Ich halte mich an einem Wort. Es hat mir auch in der Zeit grösster Ungewissheit einen Halt gegeben. Jeden Abend spreche ich es aus: ‹Herr, auf dich vertraue ich. In deine Hände lege ich mein Leben.›» Psalm 31,1+6

Ich habe in der neuen Bibelübersetzung in gerechter Sprache nachgeschlagen. Dort heisst es: «Bei dir, Lebendige, berge ich mich. Deiner Hand vertraue ich meinen Lebensatem an.»

Pfrn. Ingrid Zücher, ref. Seelsorgerin

Die Gedanken aus der Spitalseelsorge im Überblick

17. Oktober 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 43-44
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