Passionsausstellung der «offenen kirche» von Aschermittwoch, 18. Februar bis Ostern. Foto: Stefan Maurer

Mein Kreuz - mitten am Rand

Im Zentrumder Stadt Bern – mitten auf dem Bahnhofsplatz – steht die Heiliggeistkirche. Täglich treffen sich Menschen in der und um die Kirche herum.

Einige dieser Menschen suchen dieses räumliche Zentrum bewusst, werden sie doch durch ihre Lebensgeschichte und ihre daraus entstandene Lebensart an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Für sogenannte Randständige ist und war die Heiliggeistkirche aber stets ein Ort, der ihrem ganz eigenen Lebensentwurf Raum bot und bis heute bietet. Denn schon die erste kleine Kirche, die Anfang des 13. Jahrhunderts an diesem Ort entstand, war auf Menschen ausgerichtet, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen. Weil sich die Gründer, Spitalbrüder vom Orden zum Heiligen Geist, um Arme, Kranke und Sieche kümmern wollten, wies die Stadt ihnen ein Gelände ausserhalb der Stadtmauern zu. Unterdessen ist dieser Ort ins Zentrum der Stadt gerückt, aber die Geschichte des Verfechtens und der Fürsprache der Anliegen von Randständigen in und um die Heiliggeistkirche in Bern dauert seither an.

Im Zuge der Renovationen des Bahnhofs Bern sind Menschen, die sich ausserhalb des gesellschaftlichen Mainstreams von Leistung und Erfolg bewegen, aus den Bahnhofsunterführungen und dem Bahnhofsgebäude weggewiesen worden. Der Bahnhofsplatz mit der Heiliggeistkirche ist nun Treffpunkt jener Menschen, welche sich zwar in der geografischen Mitte treffen, aber im sozialen und wirtschaftlichen Leben der Berner Gesellschaft nur in den Peripherien zu finden sind. Sie leben in der Mitte am Rand. Und tragen – wie wohl alle Menschen – «ein Kreuz». Die «offene kirche» hat vor gut fünfzehn Jahren ihre Tore ganz besonders auch für diese Menschen geöffnet und ist seither ein Begegnungsort mitten in Bern im Raum der Heiliggeistkirche für alle Menschen.
Mit der Anleitung des Fotografen und Künstlers Stefan Maurer konnten in einem zweiwöchigen offenen Atelier Anfang Januar in diesem Raum Menschen, die mitten im Zentrum am Rand leben, aber auch Mitglieder des Freiwilligen- und des Projektleitungsteams, individuelle Kreuze gestalten. Oder auch gemeinsam an einem sieben Meter hohen Kreuz mitgestalten. So entstanden Raum und Möglichkeiten, um Erfahrungen von Leiden und Angst, aber auch von Hoffnung und Sich wieder- Aufrichten, auszudrücken.
Für die Ausstellung werden diese in Collage-Technik gestalteten Kreuze ergänzt durch einen modernen Kreuzweg – der Berner Künstler Jürg Lenggenhager hat die traditionellen vierzehn Stationen des Leidensweges von Jesus aktualisiert. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich auseinanderzusetzen mit der Frage, wo sie selbst stehen irgendwo zwischen Rand und Zentrum Zentrum, sich herausfordern zu lassen von den Kunstwerken und eigenen Leidenserfahrungen Raum und vielleicht auch Ausdruck zu geben.

Vernissage: Aschermittwoch, 18. Februar, 17.00.
In Anlehnung an die deutsche Tradition des «Künstleraschermittwoch » wird am Aschermittwoch die Ausstellung eröffnet in Anwesenheit von Jürg Lenggenhager und Stefan Maurer und mit Ines Bürge, Leiterin Anlaufstellen Contact Netz und am Atelier beteiligten Künstlerinnen und Künstlern.

Irene Neubauer, offene kirche

Weitere Infos:www.offene-kirche.ch

 

Rahmenprogramm
Ein breites Rahmenprogramm ergänzt die Ausstellung:
Unter anderem
• bietet das SozialforumSchweiz von TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) jeden Dienstag während der Ausstellungsdauer von 12.30– 14.00 kostenfrei eine offene Sprechstunde an. Menschen können durch professionelle Akupunktur ganzheitliche Stärkung erfahren.
• findet am Freitag, 13. März um 19.00 eine Podiumsveranstaltung statt zumThema «Resilienz – Quellen und Faktoren für psychische Widerstandskraft» aus theologischer, psychologischer und sozialarbeiterischer Sicht. Mit Cornelia Richter, Theologin Universität Bonn, Irena Pjanic, Psychotherapeutin und Forscherin, Bern, und Jleni Mebrahtu, Sozialarbeiterin, Kontakt- und Anlaufstelle des Contact Netz Bern.
• können Ausstellungsbesuchende an einer Klagemauer eigene Leidenserfahrungen thematisieren.

 

11. Februar 2015