Gott ist ... unbeschreibbar. Foto: ndanko / photocase.de

negative Theologie, die -

Das letzte Mal beschäftigten wir uns mit der Frage, wieso wir uns kein Bildnis Gottes machen sollten. Unter anderem darum, weil wir uns Gott nur aus schon bekannten, weltlichen Dingen «zusammenbasteln» könnten. Und der Versuch, Gott mithilfe von simplen Eigenschaften zu beschreiben und so zu verstehen, ist hoffnungslos.

Was also kann dann eigentlich noch über Gott ausgesagt werden? Gott ist Liebe? Gott ist Dreifaltigkeit? Vielleicht. Die AnhängerInnen der negativen Theologie würden sich aber hier schon bekreuzigen.

Negative Theologie tönt – nun ja, negativ. Gemeint ist das aber nicht im Sinne von schlecht, sondern von verneinend. Sie hat ihren Ursprung bei Platon. Für ihn war das allerhöchste Prinzip «das Gute»: unfassbar, unbeschreibbar. Diesen Gedanken übernahmen die frühen Christen und erfanden die negative Theologie. Die besagt: Über Gott können keine Zuschreibungen gemacht werden, z. B. Gott ist gut, oder Gott ist ein Mann. Das wären positive Aussagen, und die entspringen immer unserer endlichen, menschlichen Vorstellung und werden Gottes Transzendenz niemals gerecht.

Die Folgerung daraus: von Gott kann nur gesagt werden, was er nicht ist – negative Aussagen also. Zum Beispiel «Gott ist nicht ein Mann». Eine Verneinung bedingt allerdings nicht ihr Gegenteil! Wenn also nicht gesagt werden kann «Gott ist gut», dann heisst das nicht, dass Gott schlecht ist – sondern nur, dass unser bescheidenes Verständnis von «gut» nicht annähernd an das herankommt, was Gott ist.

Die frühen Kirchenväter übernahmen diese Gedanken. Einerseits, weil im Alten Testament Gott seine Unfassbarkeit und Unergründlichkeit mehrmals betont. Und andererseits, weil sich die christliche Gottesvorstellung damit von den heidnischen Vorstellungen abgrenzte. Die alten Götter waren menschlich: Odin, Zeus und Isis wurden immer als Personen dargestellt. Die Christen hatten einen grösseren, mächtigeren Gott – dessen Wesen vom Menschen niemals begriffen werden kann. Auch wenn das viele Gottesleute  noch heute glauben.

Sebastian Schafer

katholisch kompakt im Überblick

18. September 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 39-40
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