Versöhnt. Foto: Wickelbär / photocase.de

Noch ist es nicht zu spät

Ein zutiefst berührender Moment, den Barbara Moser als Seelsorgerin am Inselspital erleben darf. Andererseits fand sie das entscheidende letzte «Puzzle-Steinchen» dazu

«Für mich gibt es keine Hoffnung mehr», sagt der Patient nüchtern und schaut mich mit traurigen Augen an. «Ich bedaure so sehr», fährt er fort, «dass ich nicht auf meine Liebsten gehört habe. Jetzt ist es zu spät.»

Während der Patient aus seinem Leben erzählt, wird er emotional durchgeschüttelt. Schon seit frühester Kindheit fühlt er sich für vieles schuldig. Ob es daran liegt, dass er als kleiner Knirps seine Mutter tot aufgefunden hat, weiss er nicht. Auch jetzt sind die Schuldgefühle gross. Er bereue nicht nur, meint er, sondern er habe Verrat am Leben begangen. Und er selbst könne sich nicht vergeben und auch der liebe Gott nicht, ist sein Fazit. Die Botschaft, dass ich das anders sehe, kommt bei ihm nicht an.

Wenn das vergangene Leben nicht im Sinne des Schöpfers war, wie könnte das Zukünftige gestaltet werden, will ich wissen? Oder anders gefragt, was würde dem lieben Gott gefallen? Der Patient fällt ins Grübeln. Plötzlich bemerkt er mit leuchtenden Augen: «Ich will meiner Frau und meinen Nächsten sagen, wie sehr ich sie liebe und wie dankbar ich ihnen für alles bin.

Dass ihm dies noch offen steht, richtet ihn auf und stimmt ihn für diesen Moment glücklich und versöhnt.

Barbara Moser, reformierte Seelsorgerin am Inselspital

 

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14. August 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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