Offenbarung in Venedig. Foto: Andreas Krummenacher

Offenbarung, die -

Hat sich Gott Ihnen in Ihrem Leben jemals offenbart? So wie dem Propheten Jesaia, in einem vierrädrigen goldenen Gefährt, begleitet von vier Engeln? Oder wie Moses, in einem brennenden Dornbusch?
Die meisten von uns würden nun sagen, okay, nicht gerade so, das wäre auch etwas viel verlangt, aber irgendwoher weiss ich ja, dass es Gott gibt – und zwar hoffentlich nicht nur, weil’s der Pfarrer in der Kirche gesagt hat.

Das Christentum ist also eine Offenbarungsreligion – aber was heisst das? Theologisch gesprochen: dass sich Gott den Menschen offenbart hat. Gott hat zum Menschen gesagt: «Siehe, ich bin hier». Laut dem Theologen Karl Rahner ist das sogar der Grund, wieso es die Welt überhaupt gibt: damit sich Gott in ihr dem Menschen mitteilen kann. Und zwar sich selbst mitteilen.
Gott erzählt nicht einfach von sich, sondern gibt sich dem Menschen – wie es nur in Liebe geschehen kann.

Haben Sie jemanden schon mal so geliebt, dass sie nicht mehr nur sich selbst gehört haben? So gibt sich Gott; das ist Rahners Offenbarung. Deus Caritas est. Und niemals wird der Mensch so menschlich wie dann, wenn er die Selbstmitteilung Gottes annimmt, die sein innerstes Wesen ausmacht.
Wenn Ihnen Karl Rahners Ansichten jetzt eine Offenbarung waren, dann freut mich das – um das soll es in dieser Jahresserie gehen.
Regelmässig stelle ich Ihnen hier einen theologischen Grundbegriff, eine katholische Tradition, eine kirchenhistorisch relevante Persönlichkeit vor. Und hoffen, Ihnen ein wenig Fundament zu bieten bei der nächsten Diskussion über Religion am Familientisch.

Sebastian Schafer


Die Jahresserie 2018 im Überblick

27. Dezember 2017
erstellt von «pfarrblatt»
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Spirituelles
  • Bildung