Päpstliche Gewissenserforschung

Die Gewissenserforschung, die Papst Franziskus seinen Kardinälen im Vatikan vor Weihnachten zumutete, hat es in sich. Die «15 Krankheiten» gelten wohl nicht nur für Kurienmitarbeitende. Die Krankheiten, die der 78-jährige Papst benannte, sind:
1. Sich unsterblich, immun oder unersetzbar zu fühlen.
2. Zu hart zu arbeiten. Jesus lud seine Jünger ein: «Ruht ein wenig aus.»
3. Spirituell und geistig abzustumpfen, die menschliche Empfindsamkeit zu verlieren.
4. Zu viel zu planen, den Versuch, die Freiheit des Heiligen Geistes zu dirigieren. 5. Ohne Koordination wie ein lärmendes Orchester zu arbeiten. Fuss, Hand und Kopf brauchen einander.
6. Geistlicher Alzheimer: seinen Launen, Leidenschaften und Manien ausgesetzt zu sein und Mauern um sich zu bauen.
7. Sich in Rivalitäten zu verlieren und zu prahlen. Wenn das Äussere, die Zeichen der Ehre zum vorrangigen Lebensziel werden.
8. Existenzielle Schizophrenie: ein Doppelleben führen, Resultat der Scheinheiligkeit, den Kontakt mit den Menschen verlieren.
9. Terror des Geschwätzes, des Tratschens. Die Krankheit von Feiglingen, die nicht den Mut haben, direkt zu sprechen.
10. Verehrung der Vorgesetzten, Karrierismus. Diese Krankheit könnte auch die Oberen treffen, wenn sie einige ihre Mitarbeiter umschmeicheln, um ihre Loyalität und psychische Abhängigkeit zu erhalten.
11. Gleichgültigkeit gegenüber anderen, Freude daran finden, andere fallen zu sehen, statt ihnen aufzuhelfen und sie zu ermutigen.
12. Trauermine aufsetzen, steriler Pessimisus als Symptom von Angst und Unsicherheit. Es tut gut, das Gebet des heiligen Thomas Morus zu sprechen «... Herr, schenke mir Sinn für Humor. Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.»
13. Immer mehr wollen. Das Angehäufte macht nur schwer und verlangsamt unausweichlich das Voranschreiten.
14. Geschlossene Kreise bilden, die stärker sein wollen als die Gemeinschaft.
15. Streben nach weltlichen Profiten, Prahlerei und Zurschaustellung.

Radio Vatikan/Jürg Meienberg

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7. Januar 2015