Oberhalb von Zermatt/VS. Foto: iStock/agustavop

Paradies Schweiz

«Machen Sie Ferien in der Schweiz», forderte Bundesrat Ueli Maurer das Parlament auf, um so der Bevölkerung ein Vorbild zu sein. Mit diesem Aufruf während der Corona-Zeit, in der die Wirtschaft fast zum Erliegen kam und die Touristenorte wie leergefegt waren, hat er einen empfindlichen Nerv bei den Menschen getroffen.

von Gaby Bachmann, Theologin

Wir möchten ja all denen, die durch dieses Virus lahmgelegt worden sind, helfen und die Entscheidung, zu Hause in der schönen Schweiz zu bleiben, fiel vielen nicht schwer. Aber nun sind die Grenzen wieder offen, man kann ausreisen und das Meer, die Sonne, der Sand und der Strand winken. Und was machen wir jetzt?

Eine mögliche Begründung doch ins Ausland zu vereisen, ist die, dass es denen in den Nachbarländern wirtschaftlich auch schlecht geht, und wenn wir dorthin reisen, unterstützen wir sie. Nur das Risiko einer Ansteckung ist immer noch da und deshalb wird empfohlen, nicht notwendige Reisen zu vermeiden.

Ich habe in diesem Jahr entschieden, Ferien in der Schweiz zu machen, da ich ja öfters schon die Erfahrung machen konnte, dass das sehr erholsam sein kann. Unser Land ist zwar klein, aber birgt viele kleine Schönheiten, die sehenswert sind. Schon die Anreise ist um vieles angenehmer. Ich komme überall hin mit dem öffentlichen Verkehr, und das schenkt mir bereits einen Einstieg in die Erholung, da ich ohne Stress und Stau ans Ziel komme. Und in der Natur zu Fuss unterwegs sein, schenkt mir viel Musse und Zeit, um neue Kraft zu schöpfen. Oder eine Fahrt mit dem Schiff auf einem unserer Seen, ist Erholung pur. «Am siebten Tag ruhte Gott von seinen Werken.» (Jesaja, Kapitel 40, Vers 28).

Gott selbst hat den Menschen Ruhe verordnet, indem er einen Tag bestimmte, an dem wir unsere Arbeit ruhen lassen sollen, um zu uns selbst zu kommen und ihm begegnen zu können. Sei es wieder einmal in einem bewussten Besuch eines Gottesdienstes, auf einem Berg, bei einem Besuch, den wir schon lange vorgehabt haben und wir nie Zeit dafür gefunden haben, auf einer Wanderung usw. Wenn ich bewusst zur Ruhe komme, nichts mehr leisten muss, begegne ich mir selber und definiere mich nicht über das, was ich leiste. Wenn ich ruhe, kann ich spüren, dass ich eingebunden bin in ein grosses Ganzes, von dem ich empfangen kann, wenn ich mich öffne. Durch das Ruhen, zu mir selbst kommen, kann ich mich wieder zentrieren und finde zu mehr Gelassenheit, Frieden, Klarheit und neuer Energie. Und ich kann in all dieser Ruhe Gottes Nähe wieder intensiver spüren. Ich freue mich auf die Ferien in der Schweiz!

Und Sie, wohin verreisen Sie dieses Jahr in die Sommerferien, die vor der Türe stehen? Wo auch immer Sie sein werden, ich wünsche Ihnen von Herzen eine erholsame Zeit und seien Sie gewiss: Gott ist immer da, wo auch Sie sind.

24. Juni 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 14
  • Pfarrblatt / Angelus