August Berz (29. Dezember 1918 – 24. Juni 2020). Foto: zVg

Prälat Dr. August Berz gestorben (1918-2020)

Kurz nach der Spanischen Grippe wurde er geboren und während der Wirren des Zweiten Weltkriegs 1943 zum Priester geweiht. Er war ein Vertrauter des Bischofs von Basel Franziskus von Streng. Von 1955 bis 1980 begleitete und unterrichtete er Studierende an der Theologischen Fakultät in Freiburg. Nach seiner Pensionierung wirkte er noch 30 Jahre als Seelsorger und Priester im Seeland. Kardinal Kurt Koch bezeichnete ihn in einem Brief zu seinem 100. Geburtstag als einen «Goldenen Theologen».

Als ich August Berz 2006 kennenlernte, war er bereits sehr betagt. Er beeindruckte mich mit seinen jugendlichen Gedanken. Neugierig fragte er mich nach meinen Interessen und theologischen Neigungen. Schnell war mir klar, dass ich in ihm eine Person kennenlernen durfte, die einen riesigen Schatz an Lebenserfahrung, theologischer Bildung, Weisheit und Klugheit mit Herzlichkeit und Menschenkenntnis verband.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine Freundschaft zwischen uns, die mich nicht nur in meiner Arbeit als Seelsorger, sondern auch als Mensch und Theologe gelassener werden liess. Als ich von einer Wanderung auf das Balmhorn völlig erschöpft zurückkam, erzählte er mir, wie er selbst mit einer Jugendgruppe 1945 diesen Berg bezwungen und in Freude und Übermut singend gleich noch den Nachbargipfel Altels erklommen hatte.

Kurz nach seinem 99. Geburtstag besuchte ich ihn im August in seinem Elternhaus in Wettingen. Er hatte sich 2015 zum Sterben dorthin zurückgezogen, wo er geboren war. In unseren Gesprächen, die wir aufgrund seines schwachen Gehörs sehr langsam führten, sagte er, dass er nicht sterben möchte, bevor ich nicht die Möglichkeit hätte, zum Priester geweiht zu werden, und dies für Frauen auch möglich wäre wie z. B. für Irene Gassmann, die Priorin des Klosters Fahr. Ich antwortete ihm, dass es für mich nicht um die Berufung zum Priester gehe. Er erwiderte, dass wir als Christ*innen zu einer Freiheit berufen sind, die sich nicht in Strukturen und Traditionen einfangen lässt.

In unserem letzten Gespräch gab er mir dieses Wort mit auf den Weg: «Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm» (1 Joh 4, 16).

In Dankbarkeit, Eberhard Jost, Pfarreiseelsorger Ins


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7. Juli 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 15
  • Pfarrblatt / Angelus