Farbiger Glaube, gemeinsam feiern. Foto: fotolia/abstract

Sag mir, wie Du feierst, und ich sage Dir, wer Du bist

Es stimmt tatsächlich: In der Liturgie treffen viele Dimensionen, die mit uns zu tun haben, aufeinander. Dazu zählen Sprache, Traditionen, Volksfrömmigkeit, der Sinn für Kirche, Gemeinschaft und Gesellschaft, Gottesbewusstsein, Weltanschauung … und diese Auflistung könnte beliebig fortgesetzt werden.

Am 29. und 30. Januar fand in Zürich die Tagung mit dem Titel „Vielfalt leben. Pfarreien und katholische Missionen feiern Liturgie” statt. Anwesend waren rund 50 Personen, darunter Teilnehmer, Referenten und Organisatoren. Es ging darum, sich damit auseinanderzusetzen, wie wir in Anbetracht unterschiedlicher Sprachen, Traditionen und Kulturen unseren Glauben gemeinsam feiern können.

Professor Benedikt Kranemann von der Universität Erfurt in Deutschland hat in diesem Zusammenhang einige der theologischen Grundlagen gelebter Seelsorge im Spannungsfeld zwischen Vielfalt und Einheit hervorgehoben. Bisweilen ist es uns vielleicht nicht bewusst, aber in die derzeitige Gottesdienstordnung fliessen bereits verschiedene kulturelle Elemente lateinischen, griechischen und hebräischen Ursprungs mit ein.

Man muss nur an die Begriffe „Kyrie, Halleluja, Agnus Dei” denken, um ein paar Beispiele zu nennen. Die Liturgie dreht sich um Gefühle, da sie grundlegende Aspekte des Menschseins zum Ausdruck bringt. Bei der Feier der Ostergeheimnisse (Passion, Tod und Auferstehung Jesu) entdecken wir den Übergang vom Leben zum Glauben und vom Glauben zum Leben wieder. Daria Serra-Rambone, Doktorandin an der Universität in Luzern, beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen „Tradition und Traditionen”, wobei erstere ihrer Ansicht nach die Christus-Botschaft und letztere die entsprechenden Inkulturationen verkörpert.

Ein interessanter Aspekt, der im Wortpaar Einheit-Andersartigkeit vorhanden ist, ist die Dialektik zwischen Bereicherung und Reinigung der eigenen Tradition. Professor Franz Xaver Amherdt von der Universität Freiburg hat erneut das Konzept der „Communio“ (Gemeinschaft) als Modell für die postkonziliare Kirche aufgegriffen, wie es von Papst Franziskus im apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium (28) aufgegriffen wird.

Die Seelsorgeeinheit von Renens-Bussigny versucht dieses Modell über den Weg der Gemeinschaft (Kommunion) zwischen der Spanisch, der Portugiesisch und der Italienisch sprechenden Bevölkerung und der regionalen Kirchengemeinde umzusetzen. Diese Gemeinschaft impliziert eine kulturelle Sensibilität aller Seelsorger, damit sich Gelegenheiten für Begegnung und Austausch entwickeln können. Dazu müssen alle Beteiligten als „Interkulturelle Brückenbauer“ fungieren, wobei uns sehr wohl bewusst ist, dass es sich hier aktuell noch um eine Zielsetzung handelt, die es mit Hilfe interkulturellen Trainings und ein klein wenig Bereitschaft zu erreichen gilt.

Patrick Renz, Direktor der Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz Migratio, hat nach der Auseinandersetzung mit dem Thema Angst, die in der Begegnung mit dem Unbekannten erlebt wird, über die Ethik der Anerkennung referiert, die in Gruppenbeziehungen unabdingbar ist. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die letzte offizielle Rede jene von Samuel Behloul vom Zürcher Institut für interreligiösen Dialog stammte, welcher den Gottesdienst bzw. die Liturgie als „einen Spiegel der verschiedenen Geschichten der interkulturellen Beziehungen und Prozesse der Eigenverantwortung“ bezeichnete.

Bei der Liturgie geht es daher auch um die Kräfteverhältnisse zwischen den einzelnen Gruppen (Missionen und regionale Pfarreien) und um eine Synthese der Identität einer Gemeinschaft. In dieser werden die Dynamiken unserer Gesellschaft sichtbar, zu denen auch der Individualismus und die negative Wahrnehmung der Andersartigkeit zählen.

Der Gottesdienst soll sich nicht als „fiktive Erzählung“ in einer Kirche darbieten, die schrittweise die Form eines Netzwerks unterschiedlichster Angebote annimmt, denn darunter leidet die Individualität in der Kirche selbst.

Ich persönlich bin der Auffassung, dass die Liturgie eine wunderbare Synthese unserer vertikalen Dimension, d.h. unserer Beziehung zu Gott, und unserer horizontalen Dimension, d.h. unserer Beziehung zu unseren Mitmenschen, darstellt.
Wir haben hier nicht nur die Möglichkeit, eine Gemeinschaft aufzubauen, sondern können vor allem auch spüren, dass unsere Menschheit zu Gott hin strebt, und dass unsere Verschiedenheiten auf eine höhere Ebene gebracht werden, auf der wir erneut entdecken, was Paulus an die Galater schrieb: „Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann noch Frau, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus” (Galater 3, 28).

P. Antonio Grasso, cs

Das italienischsprachige Original dieses Artikels können Sie HIER herunterladen.

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18. April 2018
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