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Sr. Heidi Kälin: «Manchmal ist ‹Ungehorsam› zugunsten der Würde des Menschen notwendig.» Foto: zVg

Die beiden US-amerikanischen Nonnen Pat Farrell und Peggy 0’Neill, Claire Renggli und Angela Büchel Sladkovic. Sie halten ein Stück des Frauenbandes, mit dem der Schweizerische Frauenbund an der 100-Jahr-Feier 2012 an die vielen Frauen in der Geschichte erinnerte, in den Händen.

Schwestern unter Verdacht (2012) – Sr. Heidi Kälin

2008 leitet die Ordenskongregation im Auftrag von Papst Benedikt eine Untersuchung (Visitation) der katholischen Schwestern in den USA ein. Fast zeitgleich eröffnet die Glaubenskongregation eine Prufung der Vereinigung «Leadership Conference of Religious Women» LCWR, in der 1500 Ordensoberinnen zusammengeschlossen sind. Die Rede ist von radikalem Feminismus und der Weigerung, die kirchliche Lehre angemessen zu vertreten.

Im März 2012 wird ein dreiköpfiges bischöfliches Gremium eingesetzt mit dem Auftrag, die Statements und Aktivitäten der LCWR zu kontrollieren und ihre Statuten neu zu formulieren. Manche Kommentare bezeichneten diese Entmündigung der Schwesternvereinigung in der US-Presse als eine feindliche Übernahme. Sr. Heidi Kälin – aufgewachsen in Interlaken und heute Generaloberin der St.- Anna-Schwestern – erinnert sich gut an die Ereignisse.
Gleich zu Beginn unseres Gesprächs erzählt sie, wie wichtig es für sie war, Sister Pat Farrell und ihre Begleiterin 2013 bei der Herbert- Haag-Preisverleihung in Luzern zu treffen und ihr die Solidarität auszudrücken. «Diese Frauen sind Prophetinnen unserer Zeit; sie leben mit den Ärmsten am Rande der Gesellschaft und erinnern daran, was der Auftrag der Orden ist.» Die Franziskanerin Pat Farrell war in den Jahren der römischen Verdächtigungen Präsidentin der LCWR und führte die Vereinigung mit grosser Klarheit und spiritueller Weite.

In der Auseinandersetzung wurde deutlich, was für einen reichhaltigen Erfahrungsschatz die Schwesterngemeinschaften in sich tragen. «Die US-Orden leben seit langem ein viel stärkeres gesellschaftspolitisches Engagement als wir hier in der Schweiz. Sie stehen für die Rechte der kleinen Leute ein, ohne zu moralisieren.» Sr. Heidi Kälin fügt an: «Barmherzigkeit ist ein höheres Gut als Normen. Diese solidarische Praxis führte die Orden immer wieder in Konflikte mit der Kirchenleitung; ich denke an Franziskus oder Teresa von Avila.» Sr. Heidi Kälin ist erleichtert, dass der Konflikt 2015 unter Papst Franziskus beruhigt werden konnte. Sie stört sich aber an den Auflagen, die den Frauen gemacht wurden. Der Vatikan verlangt weiterhin, dass die Ordensoberinnen Publikationen und Manuskripte einem Ausschuss von Theologen vorlegen. Dies, «um die theologische Integrität des Führungsorgans der Frauenorden zu schützen»!

Angela Büchel Sladkovic


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9. November 2016
erstellt von «pfarrblatt»
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