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Sexualmoral, die –

Es gibt meines Erachtens kein Thema, bei dem die Kirche so den Kontakt mit weiten Teilen der jüngeren Generation verloren hat wie bei der Sexualmoral. Ich wage zu sagen, dass das, was viele Jugendliche mit Kirche assoziieren, sich herunterdestillieren lässt auf Prüderie und grauenhafte Verbrechen in Bezug auf Kindesmissbrauch.

Woher kommt das? Wieso ist die Kirche so «sexualfeindlich» und befasst sich derart obsessiv damit, was wir im Bett so treiben? Nun, das Hauptargument ist natürlich das Wohl des Menschen. Kirchliche Moralvorschriften sind dazu da, uns vor ungesundem Umgang mit Sexualität zu bewahren. Das tönt doch schön! Und weil die Kirche, bestehend aus (vermeintlich) zölibatären älteren Männern, natürlich weiss, wie erfüllte Sexualität geht, muss sie uns lehren, dass Sex in die Ehe gehört. Denn: Sex mit jemandem, den man wirklich liebt, ist viel besser als ein One-Night-Stand, dessen Namen man am nächsten Morgen eh schon vergessen hat. Das stimmt zwar nur meistens, ist aber auch nur ein Grund. Wichtiger ist: Sex ist, was die Ehe konstituiert. Die Ehe wird zwar rechtlich durch die Ehezeremonie, vom Wesen her aber durch das gegenseitige Versprechen und den «ehelichen Akt» begründet. Zwei Menschen, die sich also lieben und zusammen in die Kiste gehen, schliessen eine Ehe.

Und da liegt das Problem. Was ist nun, wenn’s halt wirklich nur passiert ist, weil’s Spass macht? Gibt’s irgendwie gar nicht – oder ist halt Sünde. «Moderne» Lehre versucht, mit vielen argumentativen Verrenkungen nicht mehr so moralistisch zu tönen: Verhütung ist nicht verboten, weil Sex nur der Fortpflanzung dient, sondern weil Sex, dem die Möglichkeit zur «Schöpfung von Leben» abgeht, irgendwie nicht so gut ist. Okay? Und natürlich, wirklich guten Sex hat man nur im Rahmen der tatsächlichen Liebe, die dann in der Ehe gipfelt. Wir rekapitulieren: Selbst zu definieren, was Sexualität und Liebe ist, sei nicht angemessen, sagt die Kirche, bestehend aus alten, sexlosen Männern, und definiert dann, was Sexualität und Liebe ist. Herrlich.

Sebastian Schafer

Katholisch kompakt im Überblick

21. August 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 18
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