pfarrblatt:

News-Artikel

Sünde - Schuld - Vergebung

Das Wort «Sünde» ist verpönt, als ob es keine Sünde mehr gäbe. Das mag eine Reaktion darauf sein, dass die Kirchen den Gläubigen lange Zeit ein erdrückendes Schuldbewusstsein eingepaukt haben. Verständlich, dass die Menschen sich davon befreien.
Dass Schuld aber eine Realität ist, beweisen wir, wenn wir selberOpfer von Unfall, Diebstahl und Börsencrash werden und die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen. Aber als Täter sehen wir uns lieber nicht. Wir schieben die eigene Schuld gern andern in die Schuhe. Oder wir entschuldigen das eigene Fehlverhalten damit, dass es andere ja auch tun. Das ist «Erbsünde», ein Fehlverhalten, das ansteckt und Schule macht, z. B. kleine und gigantische Betrügereien. Doch es tut der Seele nicht gut, wenn wir die eigene Schuld verdrängen und unser Gewissen ersticken. Die bessere Lösung ist, die eigene Schuld «wahr»-zunehmen und mit den Geschädigten ins Reine zu kommen. Das befreit.
«Deine Schuld ist dir vergeben, gehe in Frieden», sagte Jesus zur schuldigen Frau.Wenn er dann anfügte «Sündige nicht mehr», machte er die Vergebung nicht davon abhängig, ob sie es schaffte oder nicht. Denn anderweitig sagte er, wir sollten 7-mal 70 Mal vergeben, d. h. immer. Jesus kommt es nicht auf Zahlen an, sondern auf den ehrlichen Willen, der vieles möglich macht, auch Wiedergutmachung. Aber es bleibt eine Kunst, anderen zu vergeben. Eine noch höhere Kunst ist es, seine eigene Schuld einzugestehen und sich selber zu vergeben.

José Balmer vertritt seine persönliche Sicht. Wer auf seine Anregungen einsteigen will, kritisch, zustimmen oder ergänzend, kann das in unserem begleitenden Forum tun (Online-Formular, Email).

28. Mai 2014