Die Hände der Seenotretter greifen nach einem Flüchtlingsboot © First Hand Films

Volunteer

Gleich die erste Szene katapultiert die Zuschauer in einen Strudel aus Hektik und Ungewissheit. Aus der Perspektive eines Mannes, von dem erstmal nur seine wasserfesten Handschuhe zu sehen sind, rennen wir den Strand entlang. Erst nach einigen Sekunden sehen wir sein Ziel: ein gerade angekommenes Flüchtlingsboot. «Salam» sagt er und hilft den Kindern, Frauen und Männern an Land, teilt Decken aus, versucht, den Menschen die Angst zu nehmen.

Der Dokumentarfilm von Anna Thommen und Lorenz Nufer rückt sechs freiwillige Schweizer Flüchtlingshelfer in den Mittelpunkt und lässt sie von ihren Beweggründen für ihr Engagement erzählen. So erfuhr das Berner Ehepaar Räber aus nächster Nähe von der Not der Geflüchteten, als es 2015 in Griechenland Ferien machte. Anders der Bauer Thomas Hirschi, ebenfalls aus dem Kanton Bern, der anfangs nur seiner engagierten Freundin zur Seite stehen will und nach dem Einsatz als anderer Mensch zurück in die Schweiz kommt. In eine Welt, in der er sich plötzlich selbst fremd fühlt.

«Volunteer» beleuchtet die Ereignisse im Frühjahr 2016 an der Küste von Lesbos und im Flüchtlingslager Idomeni und zeigt Bilder, die in vier Jahren nichts von ihrer Aktualität eingebüsst haben. Im Gegenteil, die Lage hat sich sogar noch verschlimmert. Das berührt, rüttelt auf und zeigt, dass wir die Augen nicht vor der Welt verschliessen dürfen. Ein wichtiger Film, der am letztjährigen Zurich Film Festival zurecht den Publikumspreis gewonnen hat.

Sarah Stutte, Filmjournalistin


«Volunteer», Schweiz 2019, Regie: Anna Thommen, Lorenz Nufer,
Verleih: First Hand Films, www.firsthandfilms.ch, Filmhomepage: www.volunteer-film.ch

Läuft diese Woche im Kino cineMovie, Seilerstrasse 4, 3011 Bern

 

Trailer

Interview mit den beiden Filmemachern 

 

 

15. September 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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