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Vorher und nachher

Frau A. vor einer Herzschrittmacher-OP

Mit einem Nikotinpflaster ist er mir gekommen, der Oberarzt, das ist jetzt etwa ein Jahr her. Sie, das ist doch nicht dasselbe! Mit so einer Lunge, meinte er, müsse ich aufhören zu rauchen. Aber wissen Sie, ich rauche, seit ich siebzehn bin. Jetzt bin ich achtzig, und es geht mir gut. Das war doch einfach pingelig.

Ich bin ihm dann davongelaufen. He, der Test war halt positiv, wegen der Grippe, und da liess er mich nicht einmal kurz raus, um eins zu rauchen.Ich war schon ziemlich am Boden gewesen, damals, hatte einfach keine Flüssigkeit mehr. Aber nach ein paar Infusionen und zwei Nächten fühlte ich mich wieder fit, und da kam eben der Gluscht auf eine Zigarette.Das sei dann auf meine Verantwortung, hatte er gesagt, wenn ich jetzt einfach heimginge. Ich hab’ mein ganzes Leben auf meine Verantwortung gelebt.

Raus- und heimgehen durfte ich also, trotz positivem Test – aber rausgehen, um eins zu rauchen und wieder rein, nein, das war nicht möglich gewesen. Ich bin schon dankbar, dass sie mir geholfen haben, da, vor einem Jahr, wirklich, ich will ja nicht sterben – und damals wollte ich unbedingt noch meinen Achtzigsten feiern, mit vielen Leuten.

Aber Sie, ist der Chirurg, der mir morgen den Schrittmacher reinoperiert, ist der auch so ein Pingeliger?

Nach dem Eingriff auf einer Liftfahrt mit dem Chirurgen

Schön, dass du dich nach Frau A. erkundigst. Jaja, es ist schon schwierig gewesen zu punktieren – bei dieser Lunge! Risikoreich, sehr risikoreich. Aber es ging, den Schrittmacher konnte ich gut einsetzen, nach ein paar Wochen werde ich ihn dann noch justieren.

Ich hatte ja eine solche Freude an Frau A. Nein, wirklich. Ich meine, wenn man noch mit achtzig Jahren eine solche Lebensfreude hat! Über Parmaschinken haben wir gesprochen und über Rotwein. Wenn man ihr etwas Gutes tun will, dann soll man ihr eine Flasche Wein und einen guten italienischen Schinken vorbeibringen. Die soll ihr Leben doch einfach geniessen, so lange es dauert, einfach geniessen.

Nadja Zereik, Seelsorgerin Inselspital

Gedanken aus der Inselspitalseelsoge im Überblick

26. Juni 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 14
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