Wohlwollen: Wir brauchen wieder mehr davon

«Wohin man blickt, fehlt es derzeit an Wohlwollen, einem Kriterium des moralischen Handelns, das irgendwie verloren ging. Darum wollen wir anregen, Wohlwollen wieder aktiv zu praktizieren.»

Anton Ladner, Chefredaktor ferment

«Die Welt ist in Brand», sagte Anfang des Jahres UNO-Generalsekretär António Gutteres vor Journalisten und verwies auf die vielen Gründe: Die Iran-USA-Krise, der Handelskrieg zwischen den USA und China, der entsetzliche Syrienkrieg mit den Spannungen zwischen der Türkei und Russland, das humanitäre Drama im Jemen-Krieg. Bereits zuvor warnte er, damals aber noch mit vorsichtigeren Worten: «Ich fürchte, dass die Welt in zwei Teile zerfällt.» Und dann in Davos stellte der UNO-Generalsekretär am World Economic Forum die Bedrohung des Klimawandels in den Mittelpunkt: «Der Planet wird nicht zerstört werden. Was wir zerstören werden, ist unsere Kapazität, auf diesem Planeten zu leben.» Die Menschheit müsse handeln, sonst sei sie «dem Untergang geweiht». Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Wohin man blickt, fehlt es derzeit an Wohlwollen. An Wohlwollen gegenüber anderen Regierungen, Systemen, politischen Meinungen, an Wohlwollen gegenüber den Ärmsten, an Wohlwollen gegenüber der Umwelt, der Schöpfung. Wohlwollen ist ein Kriterium des moralischen Handelns, das irgendwie in den Regierungszentralen von Washington, Moskau, aber auch São Paulo oder Budapest verloren ging. Die Benevolentia beinhaltet eine gütige Haltung und eine Offenheit gegenüber den Anliegen des Gegenübers. Für Immanuel Kant war es der gute Wille. Wenn er fehle, seien alle anderen Tugenden in Gefahr, so Kant. Bei Wohlwollen geht es darum, das allgemeine Wohl zu fördern, Gutes zu realisieren, Mitgefühl zu mobilisieren und Schaden abzuwenden. Das beinhaltet auch Schonung und Rücksichtnahme. Aber heute gilt für viele Regierende in Demokratien Mitgefühl als Zeichen der Schwäche. Sie polarisieren aus zum Teil sehr persönlichen Motiven.

Der vorliegende Bildband ferment 2020 thematisiert Wohlwollen unter unterschiedlichen Aspekten. Dabei geht es immer darum, die grosse Sinnhaftigkeit von Wohlwollen zu dokumentieren. Er soll anregen, Wohlwollen zu praktizieren. Denn Wohlwollen ist ein grundchristlicher Ansatz. Aristoteles sah im Wohlwollen eine Haltung, die das Gute für den anderen anstrebe, ohne Absicht, dadurch belohnt oder gelobt zu werden. Recht hat er. Wohlwollen «belohnt» nämlich aus der Aktion heraus. Das ist eine der vielen Kostbarkeiten von Wohlwollen.


Die Schweizer Pallottinergemeinschaft veröffentlicht seit 60 Jahren das Magazin ferment mit ändernden Konzepten. Kern war dabei immer der jährliche Bildband, der als Begleiter durchs Jahr Impulse bietet und Momente der Besinnung und Ruhe schenkt.

Der Bildband kostet Fr. 18.- inkl. Versand. 

Bestellen unter www.ferment.ch/bildband/, telefonisch unter +41 71 388 53 30

23. April 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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