«Wenn die Leute uns beim Gottesdienst gesehen und gehört haben, und mit uns das Brot teilen haben, dann werden sie uns nicht vergessen.» Chor der eritreischen Gemeinschaft. zVg

Zu Gast bei der eritreischen Gemeinde

Die römisch-katholische Kirche ist international – aber was wissen Sie über die verschiedenen anderssprachigen Missionen unter uns? «Zu Gast bei…» bietet die Möglichkeit, diese Gemeinschaften kennenzulernen und bei ihnen auf deren Muttersprache einen Gottesdienst zu feiern. Am 14. Mai sind wir «zu Gast bei» der eritreisch-katholischen Gemeinschaft in Wabern – das wird uns erwarten:


von Eveline Sagna, Fachfrau Migration

 

Zweieinhalb Stunden? Eine Stunde? Zwei Stunden? In der Vorbereitungssitzung mit der Gemeindeleiterin und dem Verantwortlichen der eritreischen Gemeinschaft des Kantons Bern wird verhandelt. Normalerweise dauert eine Eucharistiefeier im Ge‘ez-Ritus zirka drei Stunden. Aus Rücksicht auf die Gäste aus Pfarreien und anderen Missionen wird das Programm nun gekürzt: auf eineinhalb Stunden. Sprachlich werden sich die EritreerInnen für einmal nicht anpassen.
Auch der Ablauf der Eucharistiefeier wird beibehalten, wenn auch stark zusammengekürzt. Es haben bereits einige Begegnungen mit Pfarrei-Mitgliedern und Gemeinschafts-Mitgliedern stattgefunden. «Immer am ersten Sonntag sind wir mit den Deutschsprachigen im Gottesdienst zusammen», erzählt Debesay Mehari, Verantwortlicher der eritreischen Gemeinschaft. «Unser Ziel ist Integration. Denn wir leben hier und wir möchten auch mit den Leuten hier zusammen sein. Wenn man Unterschiede erkennt und sich mit ihnen auseinandersetzen muss, dann wird das Leben einfacher.»

Bei bisherigen Begegnungen waren die EritreerInnen also BesucherInnen im deutschsprachigen Gottesdienst – und das soll für einmal anders sein. Die eritreisch-katholische Gemeinschaft darf am 14. Mai Gastgeber sein. Sie lädt Interessierte aus Pfarreien und anderssprachigen Missionen und Gemeinschaften ein, mit ihnen eine Eucharistiefeier unter der Leitung von Abba Mussie Zerai zu erleben. Im Anschluss an die Feier gibt es die Möglichkeit sich persönlich zu begegnen und auszutauschen.

Was erhofft sich Debesay Mehari von dieser Begegnung? «Ich hoffe, dass uns die Leute besser kennenlernen. Man kann viel lesen, sei es in Zeitungen oder im Internet. Aber wichtig ist, was man mit eigenen Augen sieht. Und wenn die Leute uns beim Gottesdienst gesehen und gehört haben und das Brot mit uns geteilt haben, dann werden sie uns nicht vergessen. Und vielleicht kommen sie uns dann auch von sich aus einmal besuchen.»

 

Stimmen aus der Gemeinschaft: Interview mit Filimon und Veronica

Ihr seid hier in der Kirche St. Michael in Wabern mit dem Chor der eritreischen Gemeinschaft. Wie häufig trefft ihr euch?
Filimon: Mit dem Chor treffen wir uns normalerweise zwei Mal pro Woche, d. h. am Samstag und Sonntag. Alle drei Monate organisieren wir ausserdem ein Treffen für junge katholische EritreerInnen aus dem ganzen Kanton Bern.

Filimon, du bist schon seit sechs Jahren in der Schweiz. Wie hast du den Weg in die eritreisch-katholische Gemeinschaft gefunden?
Filimon: Ich habe lange gar nicht gewusst, dass es in der Schweiz eine katholische Gemeinschaft gibt. Dann habe ich es erfahren und bin jetzt seit fünf Jahren mit dabei. Ich hatte jemandem erzählt, dass ich auf der Suche bin, und der hat es dann weitererzählt, usw. So hat es dann geklappt und ich habe die Gemeinschaft und die Jugendgruppe gefunden.

Wie Ihr mir erzählt habt, wart ihr auch schon in einem deutschsprachigen Gottesdienst. Was sind aus Eurer Sicht die grössten Unterschiede zu einem Gottesdienst in Eurer Gemeinschaft?
Veronica: Bei uns geht der Gottesdienst viel länger, so zwei bis drei Stunden. Auch übernehmen bei uns Frauen keine liturgischen Aufgaben im Gottesdienst. Das ist für uns etwas ungewöhnlich. Auch die Musik ist ganz anders. Bei uns werden traditionelle Lieder mit Trommelbegleitung gesungen.

Was bedeutet Euch die eritreisch-katholische Gemeinschaft?
Veronica: Für mich ist es etwas ganz Wertvolles. Das, was ich von meinem Land mitgenommen habe, finde ich hier. Das ist sehr schön. Ich bedanke mich für diese Möglichkeit. Das ist es, was ich lange gesucht habe in der Schweiz.
Filimon: Wenn ich bete, habe ich Hoffnung in Gott. Das ist ganz wichtig für mich.


Die eritreische Gemeinschaft in Wabern

3. Mai 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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