«Alte Messe» ist in Bern vertraglich geregelt

Die Vorgaben des Papstes sind mehrheitlich erfüllt

Neben der ordentlichen, normalen Messfeier gibt es in der römisch-katholischen Kirche auch die sogenannte «Alte Messe». Dafür hat Papst Franziskus in einem Schreiben nun strengere Regeln formuliert. Im Kanton Bern wird die «Alte Messe» nur in der Krypta der Dreifaltigkeitskirche gefeiert. Das wird auch künftig so bleiben, Probleme gibt es keine.

Von Andreas Krummenacher

Die Vereinigung Sankt Niklaus von Flüe ist für die Durchführung der «Alten Messe» im Kanton Bern zuständig. Sie tut das mit einem eigenen Priester jeden Sonntagmorgen in der Krypta der Dreifaltigkeitskirche in der Stadt Bern und jeden vierten Freitag im Monat.

Der Pfarrer der Dreifaltigkeitspfarrei Christian Schaller sagt auf Anfrage, dass die Zusammenarbeit mit der Vereinigung ausgezeichnet sei. Es würden jeweils 30 bis 40 Menschen an diesen Gottesdiensten teilnehmen, der zuständige Priester sei ein sehr zurückhaltender Mensch, man sei allseits um ein gutes Einvernehmen bemüht. Es gebe also keine Spannungen. Die Vereinigung halte alle Regeln sehr genau ein. Das neue Papier des Papstes sei fast vollständig erfüllt.

Vertraglich abgesichert

Zwischen dem Bistum Basel, der Vereinigung Sankt Niklaus von Flüe und der Pfarrei Dreifaltigkeit gibt es seit 1997 einen Vertrag. Laut Christian Schaller enthalte dieser genau jene Punkte, auf die der Papst nun ein Augenmerk lege. Also etwa das Bekenntnis zum Zweiten Vatikanischen Konzil oder die Anerkennung des Ortsbischofs. Ausserdem würden die Feiern nicht in der Pfarrkirche stattfinden, sondern in der Krypta. Es brauche wohl einige wenige sprachliche Anpassungen.

Situation im Bistum Basel

Auch für den Medienverantwortlichen des Bistums Basel Hansruedi Huber ist das Thema wenig relevant. Auf Anfrage schreibt er, man sei im Bistum «der Zeit etwas voraus» gewesen und habe die Praxis der «Alten Messe», wie vom Papst jetzt gefordert, auf einen Ort je Kanton konzentriert. Das habe sich gut bewährt.

Weiter ergänzt Hansruedi Huber: «Im Spätsommer werden wir mit den Verantwortlichen das weitere Vorgehen besprechen.»

Vielfalt an Messformen

«Tut dies zu meinem Gedächtnis», das sagt Jesus laut den Autoren der Bibel beim letzten Abendmahl. Es heisst, die Jünger:innen hätten schon kurz nach dem Tod und der Auferstehung Jesu diese Anweisung wahr gemacht. Die normale Form war damals offenbar die Hausmesse, begleitet von gemeinsamen Elementen.

Die Sprachen wechselten in der Folge ab, die Formen waren nicht einheitlich. Ein wichtiger Einschnitt war das Konzil von Trient; hier wurde beschlossen, ein verbindliches Messbuch herauszugeben. Das geschah dann 1570 mit dem «Missale Romanum», also dem römischen Messbuch. In dieser Art des Gottesdienstes, der sich im Mittelalter in den Abteien und Kathedralen entwickelte, nahmen die Besucher:inne eine Zuschauerrolle ein. Der Priester stand mit dem Rücken zum Volk und sprach leise die lateinischen Gebete.

Das Zweite Vatikanische Konzil markiert den zweiten grossen Einschnitt. Die Bischöfe griffen hier frühere Reformbestrebungen auf, die Liturgie sollte theologisch gefestigt werden, die Menschen sollten in den Gottesdienst einbezogen sein. 1970 erschien dann das neue Messbuch, welches noch heute die Grundlage für die Form der Heiligen Messe ist. Die Messen durften in der jeweiligen Landessprache gefeiert werden, die Gläubigen sind seither mit Gebeten und Liedern aktiv am Geschehen beteiligt.

Einige Bischöfe und Gläubige jedoch akzeptierten dieses Vorgehen nicht. Für sie bleibt das Messbuch aus dem Jahr 1570, respektive in seiner letzten überarbeiteten Fassung von 1962 allein gültig. Sie durften die «Alte Messe» weiter feiern, mussten aber bestimmte Regeln einhalten.

Papst Franziskus greift ein

Papst Benedikt XVI. gab dann 2007 die «Alte Messe» fast ohne Auflagen frei. Es kam in der Folge offenbar zu Diskussionen und Problemen. Es ging dabei meistens darum, dass es keine Einheit unter den Gläubigen mehr gab. Die «Traditionalisten» gebärdeten sich als besonders katholisch oder wurden im Gegenteil als nicht mehr katholisch gebrandmarkt. So jedenfalls schreibt es Papst Franziskus.

Darum startete er bei den Bischöfen der Welt eine Umfrage, wie mit der «Alten Messe» umzugehen sei. Die Antworten sind nicht bekannt, müssen aber so eindeutig gewesen sein, dass er nun mit diesem neuen Dekret, einem sogenannten Moto proprio, unter dem Titel «Traditionis custodes» (Hüter der Tradition) wieder strenge Regeln für die Feier der römisch-katholischen Messe im alten Ritus, im ausserordentlichen Ritus, erlassen hat.

Beispielsweise ist nur noch ein bestimmtes Messbuch erlaubt, es muss alles mit dem Ortsbischof abgesprochen werden, die Gruppierungen müssen in der Einheit mit Rom stehen, sie müssen die Weisungen des Zweiten Vatikanischen Konzils akzeptieren, Lesungen aus der Bibel müssen in der Landessprache gehalten werden und Priestern dürfen die Pfarreien nicht spalten.

 

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema von Martin Klöckener, Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg: «Franziskus korrigiert Benedikts problematischen Eingriff: Ein notwendiger und konsequenter Schritt»