Wege legen. Foto: Sandro Fischli

Das Weihnachtsgeschäft beginnt

Was Steine sammeln mit der Weihnachstkrippe zu tun hat.

In Italien wird viel Zeit auf das Schmücken von Weihnachtskrippen verwendet. Gedanken über Steine, aufwändige Installationen und das anlaufende Weihnachtsgeschäft.

von Sandro Fischli

Mitte September am Meer, an der ligurischen Küste. Wir spazieren den leerer werdenden Strand entlang. Muscheln liegen hier keine umher, die wir sammeln könnten, aber schöne Steine, die wir prüfen und auflesen. Dieser Beschäftigung gehen viele andere auch nach, wir teilen das mit ihnen.

Auffallend ist jedoch ein Mann, der sich mit unermüdlichem Eifer dieser Tätigkeit widmet, sich bückt und bückt und Steine fast pickt wie ein Huhn – es mutet mehr wie Arbeit an, nicht wie unser Spiel. Die nähere Beobachtung zeigt im Besonderen, dass er nur kleine, weisse Steine sammelt – ganz entgegen unserem Blick und dem anderer auf besondere Formen und Farben.

Nachdem wir ihn zwei Tage so in seinem Engagement gesehen haben, sprechen wir ihn spontan an, was er mit diesen Steinen, von denen er unterdessen bereits zwei grosse Säcke voll hatte, denn bezwecke.
Er erwidert, sie seien für das Presepio (ital.: Krippe), er lege damit die Wege und Strassen aus.

In italienischen Kirchen sind diese Krippen jeweils wahre Prunkstücke. Sie grenzen oft an monumentale Installationen, kleine Dioramen. Die Pfarreien überbieten sich im Wettstreit der Gestaltung, wer das schönste Presepio vorweisen kann. Auch in St. Marien Bern verwendeten Italo Cherubini und Mario Renna, beide italienischer Herkunft, Stunden um Stunden für ihre Krippe. Und das ist wahrscheinlich in vielen anderen Pfarreien mit italienischen Einflüssen der Fall.

Zurück aus Ligurien sahen wir nach der Ankunft im Bahnhof Bern beim kleinen Einkauf tatsächlich schon Samichlaussäcke aufliegen. Bald wird in den Supermärkten Christbaumschmuck feilgehalten. Wieviel schöner ist es doch, jetzt in der Natur schon die Requisiten für eine Krippe zu besorgen.