Leda (Olivia Coleman) wird plötzlich mit den Entscheidungen in ihrer Vergangenheit konfrontiert © Netflix

Entscheidungen und versteckte Emotionen

Film-Tipp «The Lost Daughter»

Die britische Literatur-Professorin Leda geniesst ihren ruhigen Urlaub auf einer griechischen Insel, bis eine Grossfamilie den Strand einnimmt. Darunter ist auch Nina mit ihrer kleinen Tochter Elena. Da Nina sie an sich selbst als junge Mutter erinnert, entwickelt Leda mit der Zeit eine Art Obsession für sie. Als Elena eines Tages verschwindet und Leda die Kleine wiederfindet, spült dieses Ereignis alle versteckten Emotionen in Bezug auf Ledas eigene, ihr fremd gewordenen Töchter an die Oberfläche.

Die faszinierenden Darbietungen von Olivia Colman und Jessie Buckley als ihr junges Alter Ego verleihen dem Regiedebüt von Maggie Gyllenhaal mit der Adaption eines Romans von Elena Ferrante eine durchdringende Kraft. Ein fesselnd gestaltetes psychologisches Drama, das sich auf zwei Erzählebenen tiefgehend mit der Komplexität von Selbstbestimmung und Familie auseinandersetzt: mit der Überforderung, gleichzeitig bestimmten Rollen zu entsprechen und dabei die eigenen Träume und Vorstellungen vom Leben nicht loszulassen, auch wenn sie unvereinbar sind.

Sarah Stutte, Filmjournalistin «The Lost Daughter», GR/USA/UK/IL 2021,
Regie: Maggie Gyllenhaal, Besetzung: Olivia Colman, Jessie Buckley, Dakota Johnson.
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