Wie halten Sie es mit Geschenken?

Diese weihnachtliche Gretchenfrage hat das «pfarrblatt» verschiedenen Menschen gestellt - vom Bischof bis zur Bundesrätin.

Ein Mama-Wochenende in der Jugi.

«In meiner Familie pflegen wir uns zu schenken, was Jung und Alt begeistert. Es ist heiss begehrt und für alle das Kostbarste: Wir schenken uns gegenseitig Zeit für gemeinsame Ausflüge. Zuletzt haben mir meine Kinder ein Mama-Wochenende in der Jugi in Saas-Fee geschenkt. Dort sind Badespass und das Erkunden der Bergwelt nahe beieinander.
Schon die Vorfreude auf den nächsten Ausflug bringt die Augen zum Leuchten. Die gemeinsamen Erlebnisse wirken oft lange nach und prägen sich als schöne, gemeinsame Erinnerungen ein. Diese begleiten uns im Alltag und verbinden uns. Wir schenken uns dies zu Geburts- und Festtagen.
Im Zentrum steht, dass wir den Liebsten nahe sein können. Und das Schöne daran ist, dass beide sich f reuen: Wer schenkt und wer beschenkt wird.»

*Evi Allemann (SP), Regierungsrätin, Vorsteherin der Direktion für Inneres und Justiz des Kantons Bern.

Die kindliche Freude hat man nie mehr.

«Geschenke sind nie so schön wie in der Kindheit. Bei uns zu Hause war die Stube an Weihnachten jeweils abgeschlossen. Das Weihnachtskind – in Wirklichkeit einer meiner älteren Brüder – schmückte den Baum und brachte die Geschenke. Meine Vorfreude war riesig! Manchmal habe ich einige Geschenke aus Neugier schon vorher geöffnet. Ich wusste ja, wo die Mutter sie versteckt hatte. Schenken ist ein schöner christlicher Brauch. Die Heiligen Drei Könige brachten Geschenke aus Freude über die Geburt von Jesus Christus. Aber die Freude, die man als Kind an Geschenken hat, die hat man später nie mehr.»

*Karin Keller-Sutter (FDP), Bundesrätin,  Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und  Polizeidepartements. Foto: Keystone

Ein Geniestreich, den man erzwingen will

Was war das beste Geschenk, das Sie je bekommen haben und was ist ein gutes Geschenk?
Die besten Geschenke hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck und werden so zu lebenden Erinnerungen. Die grosse, doppelstöckige Holzkiste mit Farbstiften hatte ich als Kind erhalten. Die Farbstifte verwandelte ich dann über Jahre in Zeichnungen und Briefe, und der Kisteninhalt wurde «nadisna», Stift für Stift, durch neue Farben ersetzt. Heute zeichne und male ich noch immer damit, und geniesse jedes Mal den Moment, wenn ich mit meinen eigenen Kindern den Deckel aufklappe und die Farben leuchten sehe.

Finden Sie Schenken schwierig?
Die Suche nach dem richtigen, perfekten Geschenk hat doch manchmal etwas von einem Geniestreich, den man zu erzwingen versucht … entweder habe ich eine Eingebung, was ich genau heute genau diesem einen Menschen schenken möchte. Oder dann finde ich einfach nichts Passendes ... Kurz: Schenken ist für mich situativ entweder ganz einfach oder dann immens schwierig – dazwischen gibt es fast nichts.

*Silja Wenk ist Vizegeschäftsleiterin Caritas Bern

Schenken ist Weitergabe von Leben

«Ein Blick in die Bibel zeigt, dass Schenken hier nichts Fremdes ist. Bereits im ersten Buch der Bibel geht es um das Schenken, und wie! ‹Gott spricht zu Abraham: Ich will dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand.› (Gen 22,17) Im Segen liegt für mich das Wunderbare am Schenken. Egal, wie ein Geschenk aussieht, es ist eine Gabe, die aus freien Stücken geschieht und nicht vergolten werden kann oder soll. Wenn es in der Bibel ums Schenken geht, dann geht es um die Weitergabe von Leben, Lebensraum, Zukunft, Freiheit, Liebe. Ein Geschenk ist für mich dann gelungen, wenn es in diese Richtung weist.»

*Felix Gmür ist Bischof des Bistums Basel, zu dem auch der Kanton Bern gehört.

«Es war halt kein echtes Baby.»

Bekommen Sie Geschenke?
Ja, wir als kleine Gemeinschaft, aber auch persönlich, bekommen hie und da von Herzen kommende, überraschende und freudebringende Aufmerksamkeiten. Meistens unerwartet und umso erfreulicher.

Gab es ein Geschenk, das Ihnen in Erinnerunggeblieben ist?
Ich war ungefähr vier Jahre alt, da äusserte ich den Wunsch, ein echtes, lebendiges Baby zu bekommen. Nicht eine Puppe, sondern wirklich etwas echt  Lebendiges. Der Heiligabend kam und nach einer kleinen vorausgegangenen Weihnachtsandacht, zusammen mit den Eltern und meinen Brüdern, wurden so nach und nach die etwas versteckten Geschenke unter dem Christbaum hervorgezaubert und uns Kindern überreicht. Schnell und überglücklich öffnete ich  mein so schön weihnachtlich verpacktes Paket. Und was kam da zum Vorschein? Eine wunderschöne Puppe mit blonden Haaren! Ich wurde sehr traurig, legte die Puppe zur Seite und fing an zu weinen. Meine Brüder konnten meine Reaktion nicht wirklich verstehen und auch meine Eltern nicht. Es war halt kein  echtes Baby. Und etwas später, in einem unbeobachteten Augenblick, hielt ich diese Puppe an die brennenden Kerzen am Weihnachtsbaum; ich wollte sie und meine Enttäuschung auf diese Weise loswerden. Zum Glück hat mein Vater es schnell gemerkt und konnte ein grösseres Unheil verhindern …

Finden Sie Schenken schwierig?
Beim Schenken zählt in erster Linie nicht der materielle Wert, sondern man möchte doch ein Zeichen der Verbundenheit, der Wertschätzung, vielleicht der Dankbarkeit, oder Freundschaft ausdrücken. Wichtiger als der Wert des Geschenks ist, dass die beschenkte Person sich darüber freuen kann. Ein Geschenk sagt: Du bist mir wichtig! Du bist mir etwas wert! Ich habe mir Gedanken über dich gemacht und darüber nachgedacht, worüber du dich freuen könntest.

Hat Schenken für Sie religiöse Aspekte?
In der christlichen Glaubenslehre hat der Brauch des Schenkens einen religiösen Hintergrund, denn für uns Christ:innen gilt die Geburt Jesu als grösstes  Geschenk überhaupt: Gott schenkt der Welt seinen geliebten Sohn. Und von wem wurde Er als erster beschenkt, wenn nicht durch die einfachen Hirten auf dem Feld. Ihr Reichtum, den sie so spontan zu verschenken hatten, war nicht Silber, nicht Gold, sondern ihre Demut, ihre Anmut des Geistes, ihr Reichtum  des Herzens, ihr Kleinsein und ihre Ehrfurcht – ihr grosses Staunen vor diesem kleinen, unscheinbaren Kind, das als der menschgewordene Gottes Sohn in unsere Welt hineingeboren wurde. Gott schenkt sich selbst. Weihnachten bietet Gelegenheit, dem einen oder anderen liebenswerten Menschen oder auch  vielleicht jemandem, der ganz vergessen, einsam, zurückgezogen lebt, vielleicht nur eine frohe Geste zu schenken. Wir können so die Geschichte des viel  grösseren Geschenks der Liebe Gottes erzählen. Da und dort können wir durch «ein kleines, stilles Zeichen liebevollen Schenkens», ein aufhellender Lichtstrahl, ein neues Hoffen in unsere dunkle, teils kalte und lieblos gewordene Welt hinaustragen und neu aufleuchten lassen.

*Sr. Marthe-Françoise Bammert, Leiterin der Villa Maria in Bern, Oblatin des hl. Franz von Sales in Troyes.

«Manchmal ist Schokolade das beste Geschenk»

Was war das beste Geschenk, das Sie je bekommen haben?
Es war ein Walkman – ein tragbarer Kassettenrekorder mit Kopfhörern. Er war mit Batterien betrieben. Es war 1983, ich war elf Jahre alt, und wenn ich die Kopfhörer aufgesetzt hatte und die Musik lief, dann hatte ich das Gefühl, alles wäre möglich. Ich war völlig losgelöst. Zumindest in meiner Phantasie. Ich denke sehr gern an diese Zeit zurück.

Gibt es ein Geschenk, dass Sie sich heute gerade wünschen?
Jetzt – heute gerade eine Zeitmaschine, um zehn Minuten wieder ins Jahr 1983 zurückzufliegen und meinen Walkman ganz kurz wieder anzuziehen. Völlig losgelöst.

Finden Sie Schenken generell schwierig?
Ich finde es sehr schwierig und tue mich persönlich sehr schwer damit. Ich habe auch noch keine gute Strategie gefunden, mir diese – an sich ja – freudige Bürde des Schenkens irgendwie zu erleichtern.

Was ist ein gutes Geschenk?
Ich glaube, Geschenke haben einen gewissen «Kairos» – also einen richtigen Zeitpunkt, der beachtet werden will. Und diesen Zeitpunkt muss der Schenkende gegenüber dem zu Beschenkenden irgendwie rausfühlen oder irgendwie rausspüren. Dann ist manchmal das kleinste Stück Schokolade schnell einmal das beste Geschenk – wenn es halt gerade hundertprozentig auf die aktuelle Situation passt.

Sind Geschenke in der reichen Schweiz ethisch vertretbar oder sollten wir alle einfach nur spenden?
Das ist eine gute Frage, denn sie weist auf einen wichtigen Punkt hin: Geschenke sollten nie mit Schuldgefühlen einhergehen, weder für die Beschenkten noch für diejenigen, die verschenken. Jetzt nur noch auf Spenden zu setzen, scheint mir aber auch übers Ziel hinausgeschossen. Ein schönes Geschenk muss keinen grossen materiellen Wert haben, egal ob wir in einem reichen oder armen Land leben. Schenken schliesst Spenden nicht aus, und umgekehrt.

* Prof. Dr. Rouven Porz, Leitung Medizinethik und ärztliche Weiterbildung, Inselspital Bern.

 

Wer hätte keinen Wunsch?

Was war das beste Geschenk, das Sie je bekommen haben?
Eine «Hosensackzeichnung» – eine winzige Zeichnung meiner Tochter, laminiert, die man in der Hosentasche oder im Portemonnaie mit sich tragen kann. Ich hab sie heute noch in meinem Geldbeutel und freue mich oft daran, wenn ich eine Kreditkarte herausklaube.

Welches Geschenk haben Sie mit Freude jemand anderem geschenkt?
Ich beschenke andere Menschen ganz generell gern. Das ist ja das Zauberhafte am Schenken: Die meisten schenken genauso gern oder sogar lieber, als dass  sie selbst etwas erhalten. Sich geliebten Menschen gegenüber grosszügig zeigen, sie überraschen mit einer lieben Geste, das sind schöne Momente.

Gibt es  ein Geschenk, das ihnen speziell in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es ganz viele! Mein Mann hat mir zur Geburt unserer Kinder jeweils ein Schmuckstück geschenkt – sie sind mir besonders kostbar. Ich besitze auch eine kleine Vitrine, in der meine Grosseltern allerhand Seltsames aufbewahrten: Versteinerungen, kleine Antiquitäten, Haifischzähne. Die Vitrine war für  mich als Kind ein Faszinosum sondergleichen. Mein Onkel hat sie mir nach dem Tod meiner Grosseltern geschenkt, als ihm deutlich wurde, wie sehr ich  daran hing. Viel bedeutet mir auch eine ganz normale Thermoskanne, die mir meine Freundin geschenkt hat und in die ich täglich Tee giesse. Das Schöne an  Geschenken ist ja die Verbindung zu den Menschen, die man liebt. Und deshalb ist die «normale» Kanne für mich ganz und gar besonders.

Finden Sie Schenken schwierig?
Nur wenn ich die Person, die ich beschenken möchte, nicht gut kenne.

Haben Sie eine Philosophie des Schenkens?
Ich schenke ungern Geld oder Geldgutscheine. Der Ökonom Joel Waldfogel ist der Ansicht, es sei effizienter, Geld zu schenken oder sich seine Wünsche  selbst zu erfüllen. Wenn andere für uns einen Pullover oder ein Buch aussuchen, sei es schliesslich ziemlich unwahrscheinlich, dass sie unsere Präferenz so  zielsicher treffen, wie wir das selbst getan hätten. Gemessen an der Befriedigung, die uns ein eigenhändig getätigter Einkauf hätte verschaffen können,  schneidet das Geschenk also fast immer schlechter ab. Die Idee des Schenkens hat aber mit Effizienz und Ökonomie nichts zu tun! Der Philosoph Michael Sandel schreibt, das Ziel von Geschenken sei nicht, Konsumvorlieben optimal zu erfüllen, sondern die Beziehung zwischen Geber:in und Empfänger: in zu  festigen. Und das tun wir, indem wir uns im Geschenk riskieren und uns bemühen, etwas zu finden, mit dem wir unserer Zuneigung Ausdruck verleihen können.

Was ist ein gutes Geschenk?
Es klingt wahnsinnig blöd, aber eines, das von Herzen kommt, also eines, das der Beziehung gerecht wird, in der man zu der beschenkten Person steht. Wenn  der Partner keine Agenda führt und einen das aufregt, ist es nicht freundlich, ihm eine Agenda zu schenken. Denn eigentlich gilt das Geschenk ja dann einem selbst: Man hofft, damit das Gegenüber zu verändern. Ein Geschenk, das von Herzen kommt, hat keine Absicht und will auch nicht zwingend nützlich sein.  Es will die beschenkte Person in erster Linie erfreuen und die Zuneigung zu ihr ausdrücken.

Haben Sie einen Wunsch?
Wer hätte keinen? Materielle Wünsche habe ich allerdings wenig. Ich bin mir bewusst, wie privilegiert ich bin, dies sagen zu können.

Barbara Bleisch ist Philosophin und Autorin und  moderiert die «Sternstunde Philosophie» bei SRF sowie eine eigene Gesprächsreihe in der «Dampfzentrale Bern» (nächstes Mal am 18. Dezember, Barbara Bleisch trifft die Künstlerin Miriam Cahn).

Nichts geschenkt

«Es gibt Geschenke, nicht wenige, die organisiert die Pflicht – emotionsfrei und termingerecht, die werden vorgängig per SMS abgestimmt, damit es keine Überraschungen gibt. Es gibt Geschenke, die haken den Geburtstag und die Weihnacht ab, die sind Teil eines Warenaustausches, die werden von einem  immer mehr aus dem Ruder laufenden Gabenkarussell abgeworfen – schöne Bescherung.
Es gibt Geschenke, die beleidigen, die beschämen die Beschenkten und lösen Gefühle der Schuld in ihnen aus. Die führen Überlegenheit vor, die nehmen in  Pflicht, die zwingen in Dankbarkeit und lassen Menschen wie Loser aussehen.
Es gibt gar Geschenke, welche die Bedachten in einem Mass verletzen, dass sie den Riesenblumenstrauss in keine Vase stellen können, dass sie ihn nicht  einmal in ihrem Papierkorb ertragen, sondern dass ich ihn sofort nach Erhalt in den Fluss vor dem Haus werfen muss, damit ihn dieser ins weit entfernte  Schwarze Meer tragen kann.

Und dann gibt es Geschenke, die man bis an sein Lebensende bei sich haben möchte, die an die Geburtsstunde der Freude rühren und das Herz zum  Überlaufen bringen, weil sie spüren lassen, wie lieb uns einer hat und wie sehr eine unser Glücklich-Sein wünscht. Etwa das Glück von Papas altem Brieföffner, einer Schreibfeder aus Silber, mit der wir als Kinder nie spielen durften, die er wie seinen Augapfel gehütet und mir zum 50. Geburtstag  geschenkt hat.
Oder das Glück des bemalten Gänseeies, das mir Elisabeth, Maria, Marius, Monika, Theres und Vreny, die mich immer neu aus viel Enge gerettet, zum  Abschied von meiner ersten Pfarreistelle geschenkt haben. Durch die Längsseite des Eies haben sie eine Achse geführt, an deren Mitte ein langer schmaler Papierstreifen befestigt ist, auf dem die sechs ihre Wünsche für mich hingeschrieben haben. Das Segensband lässt sich durch einen schmalen Schlitz aus dem Ei heraus- und mit einer kleinen Kurbel an der Achse wieder auf diese aufrollen und ins Innere hineinziehen.
Oder das Glück des seidenglatten Handschmeichlers, den mir mein Lebensgefährte heimlich aus einem Stück Arve geschliffen hat,damit mir der beruhigende  Duft des Holzes durch die langen Tage und Nächte in der Klinik helfen und mich an all die gemeinsamen sorglos-leichten Engadintage erinnern sollte. Man bekommt in diesem Leben nichts geschenkt.
Welch ein Irrtum.»

*Jacqueline Keune lebt als freischaffende  Theologin, Autorin und Redaktorin in Luzern

Ein Geschenk des Himmels

Was war das beste Geschenk, das Sie je bekommen haben?
Ein Geschenk des Himmels – unsere Tochter. Die Erfahrung, Eltern zu werden, ein Kind in den Armen zu halten, das uns anvertraut wird für ein paar kurze Jahre, es hat mein Leben komplett verändert und unendlich reich gemacht. Ein so tief berührendes und gleichzeitig anspruchsvolleres Geschenk kann ich mir gar nicht vorstellen.

Welches Geschenk ist Ihnen in Erinnerung geblieben?
Vor einigen Jahren durfte ich eine Reise auf die Philippinen machen – die Reise und der Aufenthalt wurde mir geschenkt – und es ermöglichte mir eine  Erfahrung, die mich bis heute prägt. Ich musste in die Welt der Strassenkinder Manilas eintauchen, was es bedeutet in den Slums zu überleben, aber auch, was möglich wird, wenn Menschen Perspektiven bekommen, Bildungsmöglichkeiten, medizinische Versorgung, Schutz und Vertrauen. Dieses Geschenk hat mich  – in einem guten Sinn – erschüttert.

Hat Schenken einen religiösen Aspekt?
Auf jeden Fall. Ich erachte mein Leben, meine Familie, viele Möglichkeiten, die mir zukommen, als grosse Geschenke, die ich anvertraut bekommen habe. Ich fühle mich als ein – letztlich von Gott – reich beschenkter Mensch. Daraus abgeleitet schenke ich, weil ich danken will, weil ich dem anderen Menschen, den ich beschenke, sagen will: Es ist schön, dass wir miteinander unterwegs sein können. Oder: Ich bin dir dankbar, dass du mich unterstützt in vielleicht   schwierigen Themen. Oder: Ich habe dich gern und deshalb ist es mir eine Freude, dich zu beschenken, einfach so, weil ich Freude daran habe. Dafür möchte ich dir ein Zeichen der Verbundenheit schenken. Und so feiere ich Weihnachten natürlich auch als ein grosses Geschenk, vorab als gläubiger Mensch, und freue mich schon heute auf die weihnächtlichen Gottesdienste, um zu danken.

Finden Sie Schenken schwierig?
Ich finde schenken insofern nicht schwierig, weil ich aus einer Beziehung heraus schenke und ich mir überlege, was ich mit dem Geschenk sagen will. Ich  schenke nicht einfach so, ich verknüpfe immer eine Botschaft mit dem Geschenk. Es hat stets eine symbolische Bedeutung, nur dann ist es ein gutes  Geschenk für mich. Sonst lasse ich es lieber bleiben.

* Edith Rey-Kühntopf ist Regionalverantwort­liche in der Bistumsregion St. Verena und  vertritt den Bischof im Kanton Bern

«Die Vergangenheit prägt uns ein Leben lang»

Was haben Sie mit Freude jemandem verschenkt?
2012 waren wir seit zehn Jahren eine Familie. Über Wochen habe ich heimlich an einem Fotobuch gearbeitet, um meine Familie damit an Weihnachten zu  überraschen. Ich gab ihm den Titel: «Die ersten zehn Jahre». Ich hatte natürlich die Hoffnung, dass sich meine Familie darüber freuen würde. Als das  Fotobuch ausgepackt wurde, war die Reaktion überwältigend. Alle waren emotional berührt. Unsere Kinder, Eltern und Grosseltern erzählten sich danach  tagelang alte Geschichten und Erlebnisse, an die sie sich anhand der Fotos wieder erinnerten. Bis heute gibt es Abende, an denen wir einfach alle  zusammensitzen und uns die Familiengeschichte erzählen.

Was ist ein gutes Geschenk?
Vielleich das zweite Buch, das 2022 folgen wird. Die beiden Opas werden darin nur noch auf den Bildern weiterleben. Alle anderen werden lachen, weinen und sich erinnern. Vergangenheit lebendig zu halten, ist wichtig, denn sie prägt uns ein Leben lang.

Haben Sie einen Wunsch?
Ab 2022 wird Fastenopfer neu Fastenaktion heissen und Zukunft auf Tradition und Geschichte aufbauen. Ich wünsche mir sehr, dass der Namenswechsel gut gelingt.

*Bernd Nilles ist Geschäftsleiter der Fastenaktion.