Seit drei Jahren leben abgewiesene Asylsuchende in unserer Pfarrei. Der Gutshof ist ein Rückkehrzentrum, das theoretisch für kurze Zeit Flüchtlinge beherbergt, die in ihre Heimatländer zurückkehren. Praktisch leben viele ältere Frauen, Männer und Kinder unter prekären Umständen jahrelang in diesem «Deportationszentrum», wie die Asylsuchenden es selber nennen. Normalerweise leben 4-6 Menschen in einem Zimmer.
Wir engagieren uns zusammen mit den anderen Kirchen vor Ort und mit dem Verein Begegnung mit Menschen auf der Flucht in Walkringen für die Asylsuchenden. Kontakt: [email protected].
Peter Sladkovic arbeitet zusätzlich 10% als Asylseelsorger und besucht die Menschen einmal in der Woche im Zentrum. Sie können gerne mit Spenden oder als Freiwillige unsere Arbeit unterstützen.
Der Interkulturelle Chor Worb versucht Einheimische und Geflüchtete einmal in der Woche zu vernetzen und die Vielfalt von Liedern kennen zu lernen. Kontakt: www.selinamariabatliner.com
Die verschiedenen Kirchen in Worb und Walkringen haben sich von allem Anfang an, ihren Möglichkeiten entsprechend, um die Menschen in beiden Unterkünften gekümmert. Den vielen Freiwilligen und Spender:innen sei dafür herzlich gedankt.
Seit Anfang dieses Jahres gibt es eine 10%-Stelle für die Seelsorge im Gutshof, die von den beiden grossen Landeskirchen im Kanton Bern finanziert wird. Diese ökumenische Stelle wurde mir (Peter Sladkovic) vorerst anvertraut. Es gehört zu den Stärken der Kirchen, auch auf Menschen ausserhalb ihrer Konfessionen zuzugehen und Seelsorge anzubieten. Diese Begegnungen sind nicht nur Herausforderung, sondern auch grosse Bereicherung. Wenn ich zu einem Gespräch da bin, wird mir selbstverständlich Tee und Kaffee und Gebäck angeboten – von einem, der keine 10 Franken pro Tag für alle seine Bedürfnisse erhält.
Die Situation der Menschen im Gutshof ist dramatisch und psychisch belastend. Sie müssen zum Teil täglich mit ihrer Ausschaffung rechnen – und sind zum Teil schon 10 Jahre in der Schweiz. Ihre Kinder sind hier geboren und reden manchmal schon einen Schweizer Dialekt. Die jungen Eltern dürfen nicht arbeiten und würden so gerne etwas zurückgeben, an ein Land, das ihnen Sicherheit und Frieden gibt. Obwohl das Wohnen einer fünfköpfigen Familie in einem Zimmer gegen die Menschenrechte verstösst, die die Schweiz weltweit verteidigt – sind viele Betroffene sehr dankbar, dass sie zumindest nicht um Leib und Leben fürchten müssen.
Als Seelsorger bin ich oft ohnmächtig. Ich kann nur zuhören und für ein paar Augenblicke mitaushalten. Ab und zu können wir Kirchen und andere Institutionen und Vereine im Graubereich ein wenig Unterstützung anbieten. Ein unbezahlbarer Ausflug in den Zoo oder an einen See tut den traumatisierten Seelen gut und ermöglicht den Kindern ein paar unbeschwerte Stunden. Das gemeinsame Geburtstagsfest für alle Kinder oder der Ausflug zum Oeschinensee waren ein Highlight.
Denn die Grenzen kommen wieder schnell zu Bewusstsein. Ich frage bei einem Mann nach, der sich oft die eine Backe reibt. Er habe Zahnschmerzen. Ein Loch. Er müsse eine Füllung haben, doch die Nothilfe erlaubt nur Schmerzmittel über Monate oder das Ziehen des Zahnes.
Viele Menschen im Gutshof bitten mich, ihren Dank auszurichten. Es sei schwierig für sie. Doch sie seien sehr dankbar für die Gebete und die vielen kleinen Zeichen der Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Als Seelsorger erfahre ich auch, dass einzelne Mitarbeitende im Gutshof und in der Filzi sehr engagiert sind und innerhalb ihrer Grenzen viel ermöglichen.
Falls Sie etwas spenden möchten, ist dies auch möglich über das Spendenkonto unserer Pfarrei PC IBAN CH63 8080 8006 2954 7715 9
Herzlichen Dank
Peter Sladkovic, Gemeindeleiter