Netzwerk Nachhaltigkeit im DOCK8
Die katholische Kirche Region Bern setzt sich für eine nachhaltige und gerechte Gesellschaft ein. Nebst der Unterstützung zahlreicher Initiativen und Projekten baut sie im DOCK8 ein «Netzwerk Nachhaltigkeit» auf und setzt so einen besonderen Fokus auf nachhaltige Entwicklung.
Wie schaffen wir den grossen Wandel und ein gutes Leben für alle? Was können wir tun für eine solidarische Gesellschaft, eine intakte Umwelt und eine zukunftsfähige Wirtschaft?
Dieser und weiteren Fragen gehen wir gemeinsam mit Dir auf den Grund. Um die grossen Herausforderungen unserer Zeit zu adressieren, wollen wir im Bereich nachhaltige Entwicklung ein breites Netzwerk von Akteur:innen schaffen, das gemeinsam Ideen, Projekte und Veranstaltungen entwickelt.
Dazu brauchen wir Dich! Werde Teil des «Netzwerk Nachhaltigkeit» und vernetze dich mit weiteren Nachhaltigkeits-Akteur:innen. Profitier von unseren günstigen Veranstaltungsräumlichkeiten und erhalte Unterstützung bei der Organisation und Umsetzung Deiner Veranstaltung oder Deines Projekts.
Suffizienz oder: Was gewinnen wir, wenn wir weniger verbrauchen?
Unser Ziel im Jahr 2025? Menschen in und um Bern fürs Thema Suffizienz zu sensibilisieren und sie zu suffizientem Verhalten inspirieren!
So weit, so gut. Doch dafür müssen wir erst klären: Was bedeutet Suffizienz überhaupt?
Suffizienz ist neben Effizienz und Konsistenz die dritte Lösungsstrategie der nachhaltigen Entwicklung. Die drei Strategien sind ergänzend gedacht, um der Problematik der Übernutzung der natürlichen Ressourcen zu begegnen. Dabei beschreibt Effizienz die optimale Ressourcennutzung mittels reduziertem Einsatz von Ressourcen pro Produkt oder Dienstleistung, während Konsistenz die Anpassung von industriellen Kreisläufen an natürliche Kreisläufe bezeichnet – mit dem Ziel der Erhaltung natürlicher Ressourcen und resilienter industrieller Kreisläufe. Diese beiden Strategien versuchen dem steigenden Ressourcenverbrauch mit technischen Innovationen zu begegnen.
Die Suffizienzstrategie allerdings nutzt soziale Innovation, um den Ressourcenverbrauch zu senken. Bei Suffizienz dreht sich nämlich alles um das richtige Mass: Nicht zu wenig – die Grundbedürfnisse sollen gedeckt sein, aber auch nicht zu viel – dem Überkonsum soll ein Riegel geschoben werden. Da Überkonsum ein Problem der westlichen Gesellschaften ist, geht Suffizienz bei uns unweigerlich mit einer Form des Verzichts einher. Wer nun aber Suffizienz als reine Verzichtsstrategie begreift, hat das Konzept nicht vollständig erfasst. Denn bei Suffizienz ist «das gute Leben» ebenso wichtig wie das richtige Mass. Bei Suffizienz geht es weniger darum, ein gewisses Verhalten ganz zu unterlassen, sondern vielmehr darum, dieses zu ändern.
Nehmen wir zum Beispiel Fahrradfahren: Wer das Auto dauerhaft gegen das Velo tauscht, verzichtet im ersten Moment auf Komfort. Bei heissen Temperaturen, Regen oder Schnee ist es viel komfortabler, in ein trockenes, temperiertes Auto statt auf ein Velo zu sitzen. Doch was gewinne ich, wenn ich aufs Velo umsteige? Ich gewinne an Gesundheit: Velofahren hält fit und die tägliche Bewegung Draussen an der frischen Luft stärkt das Immunsystem. Ich gewinne an Unabhängigkeit: das Velo kann ich überall abstellen, damit ist die lästige Parkplatzsuche Geschichte. Tanken ebenso, denn ich bewege mich allein durch meine Muskelkraft fort. Ich gewinne finanziell, denn das Velo ist ein vielfaches ökonomischer als ein Auto. Im dichten Stadtverkehr gewinne ich ausserdem an Zeit, denn mit dem Velo stehe ich nicht im Stau. Die Vorteile überwiegen also klar den Verzicht.
Genau darum geht’s bei Suffizienz. Die Lebensqualität soll trotz geringeren Ressourcenverbrauchs gleich hoch bleiben, Wohlbefinden nicht mehr an Konsum gekoppelt sein. Suffizienz bietet eine Alternative zum vorherrschenden Paradigma des «immer mehr» in unserem auf Wachstum und Konsum ausgelegtem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. Suffizienz bedeutet «besser statt mehr».
Für dieses «besser statt mehr» ist aber nicht allein das Individuum verantwortlich. Suffizienz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die durch griffige politische Rahmenbedingungen begleitet und gefördert muss. Es ist an Politik und Wirtschaft, Rahmenbedingungen und Strukturen zu schaffen, die allen Menschen einen ressourcenleichten Lebensstil ermöglichen. Deshalb beleuchten wir im kommenden Jahr, welche Anstrengungen die Stadt Bern in diese Richtung unternimmt.
Zur Inspiration oder als «Anleitung zum Weltverändern» stellen wir euch ausserdem verschiedene Personen vor, die einen suffizienten Lebensstil verfolgen und erzählen euch von Initiativen, die suffiziente Verhaltensweisen fördern. Also, bleibt dran!
Kontakte
Anouk Haehlen
Verantwortliche Netzwerk Nachhaltigkeit
anouk.haehlen@kathbern.ch
079 344 68 36 (Auch SMS oder Signal)
Erreichbar am Di, Mi & Do
Zoe Lehmann
Kommunikation und Events Netzwerk Nachhaltigkeit
zoe.lehmann@kathbern.ch
079 544 57 01 (auch SMS oder Signal)
Erreichbar Mo, Do, Fr
Suffizienz
Im Interview: Andreas von Vision 2035
Andreas vom Verein Vision 2035 eröffnet eine neue Perspektive auf das Thema Suffizienz. Den Zugang zu «besser statt mehr» findet er über Spiritualität. Im Interview spricht er von der vereinenden Konstante seines Engagements, wie Achtsamkeit und Suffizienz zusammenhängen und was das alles mit der zweisprachigen Bieler Nischenzeitung «Vision 2035» zu tun hat.
Unter suffizientem Verhalten verstehen wir ein «besser statt mehr»: ein genügsamerer Umgang mit natürlichen Ressourcen bei gleichbleibend hohem Wohlbefinden. Was motiviert dich, ressourcenleicht zu leben?
Es ist nicht allein das Thema Suffizienz, das mich umtreibt, sondern allgemeine Themen wie Natur und Ökologie im Wechselspiel mit unserer Gesellschaft. Ich interessiere mich seit jeher für Zusammenhänge und versuche, ihnen auf den Grund zu gehen. Sobald ich begonnen hatte, mir beim Einkaufen Gedanken über die Herstellung und die Herkunft der Produkte zu machen, landete ich unweigerlich bei einem nachhaltigen Lebensstil. Wer sich einmal ernsthaft mit intensiver Landwirtschaft auseinandersetzt, kommt schnell zum Schluss, dass dies nicht die Lösung sein kann. Im eigenen Garten komme ich ja auch nicht auf die Idee, den Boden mitsamt darin wachsenden Rüebli grossflächig mit Pestiziden zu behandeln. Leider hinterfragen nur wenige Menschen solche Zusammenhänge und machen sich bewusst solche Überlegungen. Wer sich aber in solchen Gedanken übt, wird sich schnell der Belastungen bewusst, die durch den eigenen Lebenswandel entstehen. Ich bin überzeugt: Personen, die sich Gedanken über die Umwelt machen und sich darin üben, Zusammenhänge zu erkennen, konsumieren weniger.
Eine weitere, sehr starke Motivation zu einem ressourcenleichten Leben ergab sich für mich aus Jahren der Achtsamkeitspraxis. Unter Achtsamkeitspraxis verstehe ich einen Moment des Bewusstwerdens, eine Sammlung des Herzens, des Körpers und des Ichs im Moment. Das bewirkt eine Sammlung des Geistes und daraus wiederum entsteht ein grosses Glücksgefühl von innen. Hier lässt sich der Bogen zu Wohlbefinden durch suffizientes Verhalten schlagen: Sobald ich in der Lage bin, Glücksgefühle von innen, unabhängig von äusseren Umständen zu erleben, brauche ich nicht zu konsumieren, um glücklich zu sein. Der achtsame, gesammelte Geist ist mir immer nah, er ist einfach und gratis zu haben. Dadurch strebe ich nicht nach «immer mehr», was mir wiederum zu einer gewissen Leichtigkeit, Unbeschwertheit und Gelassenheit verhilft. Achtsamkeit hilft, sich bewusst zu machen, was man wirklich braucht.
Würdest du sagen, dieses Bedürfnis, Zusammenhänge zu erkennen sei auch der Grund für dein Engagement bei der Zeitschrift «Vision 2035»? Welches Ziel verfolgt ihr mit der Zeitschrift?
Zusammenhänge sichtbar zu machen und Menschen zum Denken anregen ist sicher ein Grund meines Engagements. Bei «Vision 2035» verfolgen wir einen «positiven Journalismus»: Wir möchten unsere Leser:innen anstossen, zum Denken anregen, ihnen neue Ideen und einen Blick über den Tellerrand liefern. Wir machen nachhaltige Initiativen sichtbar und geben ihnen eine Starthilfe, sei dies durch Publizität, durch Vernetzung oder temporärer Zur-Verfügung-Stellung unseres Vereinskontos. Uns geht es nicht einfach darum, die Menschen wachzurütteln und vor Augen zu führen, was alles schief läuft in der Welt. Stattdessen zeigen wir Geschichten des Gelingens. Wir portraitieren Ideen, Initiativen und Gruppen, die etwas wagten, das nun wirklich funktioniert und einen positiven Nutzen hat. Wenn sich Menschen nach der Lektüre inspiriert fühlen, selbst etwas zu wagen und zu verändern, ist unser Ziel erreicht. Wir möchten positive Handlungsmöglichkeiten bieten und unsere Leser:innen inspirieren. «Vision 2035» verstehen wir als Medium im Sinne der «Transition Town»-Initiativen. Es geht darum, Menschen zu vernetzen sowie Fähigkeiten und Ressourcen zusammenzubringen und so eine Art “Graswurzelbewegung” zu schaffen, die wirklichen Wandel initiieren kann. Mir selbst verschafft mein Engagement darüber hinaus Befriedigung, etwas Sinnvolles angestossen und Schritte in die richtige Richtung unternommen zu haben.
Und wie funktioniert es konkret, solch eine Zeitschrift herauszugeben?
Meist definiert das Kernteam ein Thema, das wir über unsere Kanäle nach Aussen kommunizieren. Dann folgt eine offene Redaktionssitzung, an der Interessierten teilnehmen und ihre Beiträge vorschlagen können. Daraufhin entscheiden wir, ob wir ausreichend Inhalte haben, um das Thema möglichst breit zu beleuchten. Sollte eine Perspektive fehlen, holen wir sie proaktiv ein oder produzieren selbst einen Beitrag dazu. Nebst den fest besetzten Ressorts wie Layout, Fundraising, usw. haben wir auch Journalist:innen im Kernteam, die regelmässig für uns schreiben. Früher hatten wir Mühe, die Seiten mit externen Beiträgen zu füllen. Heute ist das umgekehrt, wir erhalten regelmässig zu viele Beiträge und müssen entweder die Beiträge kürzen oder die Ausgabe vergrössern.
Pro Jahr geben wir etwa vier Ausgaben mit einer Auflage von 2000 Exemplaren heraus. Wir haben ca. 500 Abonnent:innen, den Rest legen wir gratis in Restaurants, Bars, Kulturstätten, usw. in Biel und Umgebung auf. Aus den Beiträgen der Abos und der Einnahmen aus Inseraten erstellen wir ein Budget, das die Kern-Redaktionsarbeit deckt. Es ist schwierig, finanzielle Unterstützung zu erhalten, aber manchmal klappt es doch. So haben wir als zweisprachiges Medium während zweier Jahre vom Kanton Bern und der Stiftung Temperatio einen finanziellen Beitrag erhalten, um die Zweisprachigkeit aktiv mit «Sprachbrücken» und einem Mini-Glossar zu fördern. Natürlich leisten wir für jede Ausgabe immer noch viel unbezahlte Arbeit, aber wir erhalten auch die Möglichkeit, uns mit interessanten Menschen zu vernetzen und Sinnvolles zu tun.
Andreas von Vision 2035
Weitere Blogbeiträge zum Jahresthema Suffizienz
Holligerhof 8, 3008 Bern
www.dock8.ch
Rückblick Nachhaltigkeitstage 2024 im DOCK8
Spielerisch, visionär, lachend, aber auch ernst stellten wir uns mit den diesjährigen Nachhaltigkeitstagen der Frage «Was machen wir mit unserer Zeit?». So malten, bauten und gestalteten Kinder am nachhaltigen Mittwoch ihre Vision der Welt im Jahr 2044. Am Podium «Was machen wir mit unserer Zeit? Anleitungen zum Weltverändern» tauschten sich Achtsamkeitsprofi Bèatrice Heller, Kunstschaffende Lea Whitcher und Nachhaltigkeitsforscher Nicolà Bezzola zu Zeitwohlstand, Arbeitszeitreduktion, Care-Cities sowie Achtsamkeitspraktiken aus und gaben dem Publikum nicht nur Tipps für den Alltag, sondern auch kritische Fragen mit auf den Weg. Der Kochkurs «vegan unter 5 Fr.» lehrte die Teilnehmenden ressourcenschonende Kulinarik und im Parkour-Workshop von ParkourONE erfuhr das Publikum, dass es für eine nachhaltige Freizeitgestaltung nicht mehr als den eigenen Körper, gewisse Techniken und Neugierde braucht. Zerowaste führte die Workshop-Teilnehmenden in 10 Schritten zu nachhaltigen Alltagsgewohnheiten, einen Tag darauf lernten die Anwesenden die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie kennen. In der Schnippeldisco produzierten Jung&Alt leckere Pasten und Hummus fürs Foodsave-Bankett und beim PIXMIX Vol. 87 beantworteten Referent:innen in einem Mix auf Pix und Performance die Frage «Hesch Zyt?»
Podium verpasst? Im Beitrag von Radio Rabe kann die Diskussion in voller Länge nachgehört werden.
Hier findest du eine Übersicht der Höhepunkte unserer diesjährigen Nachhaltigkeitstage – fotografisch festgehalten von Brigitte Marti und Wolfgang … à Fotos verlinken
Die Nachhaltigkeitstage wurden organisiert vom Netzwerk Nachhaltigkeit der katholischen Kirche und DOCK8.
Rückblick Berner Nachhaltigkeitstage 2023 im DOCK8
Was ist das eigentlich, das gute Leben für alle? Was brauchen wir dafür? Und jetzt – was machen wir? Gemeinsam suchen wir vom 11.-22. September im DOCK8 nach Antworten. Komm vorbei und mach mit!
Do, 14. September, 19.30-21 Uhr: Podium «Was brauchen wir für ein gutes Leben? Anleitungen zum Weltverändern» mit einer Theaterschaffenden, einer Klosterleiterin und einem Nachhaltigkeitsforscher.
Fr, 15. September, 20 Uhr: Konzert für alle mit Dr. Chopf, der mit Liedern & Geschichten zum Klimaschutz einlädt.
Sa, 16. September, 18-21.30 Uhr: Pflanzenküche-Kochkurs. Junge Bühne Bern mit dem Jugendtheater "Stichfest"
Alle weiteren Veranstaltungen unter www.dock8.ch