Wenn Freizeit Früchte trägt

Scharleiter*innen sind die Köpfe eines JUBLA-Teams. Sie repräsentieren ihre Schar gegenüber den Eltern, der Pfarrei und der Kantonsleitung. David Segessemann, 22, seit 2015 Scharleiter der JUBLA Interlaken, und Bea Ebener, 52, von 1987 bis 1993 Scharleiterin im Blauring Thun, berichten, was ihre Generationen verbindet und was sich bei der Scharleitung verändert hat.

Interview: Michèle Zwahlen, Mitglied der Kantonsleitung, Ressort Animation

Mehrere tausend JUBLAner*innen feierten am 9. Juni 2007 auf
der Luzerner Allmend das 75-jährige Jubiläum der JUBLA (Jungwacht-
Blauring) mit Essen, Spielen, Plaudern oder Kochen.
Foto: Keystone/Urs Flüeler

«pfarrblatt»: Was fordert beim Leiten eines jungen, ehrenamtlichen Teams heraus?

Bea Ebener: Das ist eine Frage des Leitungsstils: Wie viel gibt man als Scharleitung vor? Wie kann ich die Leitenden auch befähigen, ihre Verantwortung selbst wahrzunehmen? Es ist zudem schwierig, allen Raum zu geben – auch den Leitenden, die eine Zeitlang unter der Woche in der Romandie weilten, und jenen, die im Vergleich zu lauten Persönlichkeiten eher zurückhaltend sind.

David Segessemann: Die Leute im Team sind jung und befinden sich in einer kritischen Phase ihres Lebens. Gerade weil die Arbeit ehrenamtlich ist, ist es schwer, die Leute dazu zu bringen, regelmässig an die Höcks zu kommen. Gerade wenn manche immer dabei sind, ist es schwierig, die Unzuverlässigkeit anderer zu rechtfertigen. Das führt zwangsläufig zu Konflikten.

Was gefällt dir daran, Scharleitende* r zu sein? Was bringt es dir persönlich?

Bea: Das Leiten in Jungwacht Blauring, und das Scharleitungsamt insbesondere, ist eine Schule fürs Leben. Es ist ein Übungsfeld für die Persönlichkeitsentwicklung, für soziale Kompetenzen und fürs Verantwortungsbewusstsein.

David: Leute anzuleiten ist im Ehrenamt noch schwieriger als in einem Beruf. In der JUBLA sind es nicht der Rang oder die Position, die einem zu Autorität verhelfen. Die muss man sich selbst aneignen, und trotzdem muss man mit allen auskommen. Doch die Zusammenarbeit ist in der JUBLA persönlicher als in einem professionellen Umfeld, und man lernt hier besser, auf einzelne einzugehen.

Was wirst du nie vergessen?

David: In einem Zeltlager sahen wir ein heftiges Gewitter aufkommen und mussten sehr schnell entscheiden, ob wir evakuieren sollten oder nicht. Das Leitungsteam sprang sofort in Aktion: Leute dachten mit, Anweisungen wurden sofort befolgt, die Aufteilung funktionierte. Einige kümmerten sich um die Kinder, andere waren pausenlos am Graben schaufeln. Es ist toll, zu sehen, wie ein Team einfach funktionieren kann, vor allem in schwierigen Situationen.

Bea: Die Singrunden am Lagerfeuer mit der Gitarre bleiben mir unvergessen, aber auch hektische Momente an Lagerbesuchstagen, wo das Leitungsteam logistische Meisterleistungen vollbrachte. Zu spüren, wie alle mittragen, ist schön. Ein weiteres Highlight war jeweils der Leiterinnentag, wo wir uns nach Lagerabschluss Zeit für uns nahmen.

Scharleitung früher und heute: Was sind die Unterschiede?

Bea: Ich denke, heute ist es schwieriger, Scharen zu leiten. Angebote für Jugendliche waren vor 30 Jahren sicher beschränkter. Der Blauring war für die meisten Leiterinnen die Hauptbeschäftigung in ihrer Freizeit. Die Verbindlichkeit unter uns war höher. Wir waren auch weniger sensibilisiert auf heikle Themen wie Gender, Grenzverletzungen oder Datenschutz, was heute sicher zur Verantwortung der Scharleitung dazukommt.

David: Ich kann mir vorstellen, dass die Einstellung gegenüber der JUBLA früher anders war. Die Leitenden hatten vielleicht auch mehr Ausdauer. Heute möchte man überall dabei sein und merkt auf einmal: Oh, da wäre ja noch die JUBLA. Bei unserem 75-jährigen Jubiläum von 2007 sagte jemand aus dem Ehemaligenverein, was sie in den 50er-Jahren gemacht hätten, lebe noch immer weiter. Zu sehen, dass die JUBLA mehr ist als nur eine Freizeitbeschäftigung, gibt mir Antrieb – die Zeit, die man investiert, trägt Früchte.

 

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