Barbara Bleisch ist Philosophin und Autorin und moderiert die «Sternstunde Philosophie» bei SRF sowie eine eigene Gesprächsreihe in der «Dampfzentrale Bern». Foto: zVg

Wer hätte keinen Wunsch?

Barbara Bleisch in der Weihnachtsserie «geschenkt»

Ziel von Geschenken ist es, die Beziehung zum/zur Beschenkten zu festigen, sagt Barbara Bleisch. Ein Beitrag zur Weihnachtsserie «geschenkt».

Von Barbara Bleisch*, Philosophin

Was war das beste Geschenk, das Sie je bekommen haben?
Eine «Hosensackzeichnung» – eine winzige Zeichnung meiner Tochter, laminiert, die man in der Hosentasche oder im Portemonnaie mit sich tragen kann. Ich hab sie heute noch in meinem Geldbeutel und freue mich oft daran, wenn ich eine Kreditkarte herausklaube.

Welches Geschenk haben Sie mit Freude jemand anderem geschenkt?
Ich beschenke andere Menschen ganz generell gern. Das ist ja das Zauberhafte am Schenken: Die meisten schenken genauso gern oder sogar lieber, als dass  sie selbst etwas erhalten. Sich geliebten Menschen gegenüber grosszügig zeigen, sie überraschen mit einer lieben Geste, das sind schöne Momente.

Gibt es  ein Geschenk, das ihnen speziell in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es ganz viele! Mein Mann hat mir zur Geburt unserer Kinder jeweils ein Schmuckstück geschenkt – sie sind mir besonders kostbar. Ich besitze auch eine kleine Vitrine, in der meine Grosseltern allerhand Seltsames aufbewahrten: Versteinerungen, kleine Antiquitäten, Haifischzähne. Die Vitrine war für  mich als Kind ein Faszinosum sondergleichen. Mein Onkel hat sie mir nach dem Tod meiner Grosseltern geschenkt, als ihm deutlich wurde, wie sehr ich  daran hing. Viel bedeutet mir auch eine ganz normale Thermoskanne, die mir meine Freundin geschenkt hat und in die ich täglich Tee giesse. Das Schöne an  Geschenken ist ja die Verbindung zu den Menschen, die man liebt. Und deshalb ist die «normale» Kanne für mich ganz und gar besonders.

Finden Sie Schenken schwierig?
Nur wenn ich die Person, die ich beschenken möchte, nicht gut kenne.

Haben Sie eine Philosophie des Schenkens?
Ich schenke ungern Geld oder Geldgutscheine. Der Ökonom Joel Waldfogel ist der Ansicht, es sei effizienter, Geld zu schenken oder sich seine Wünsche  selbst zu erfüllen. Wenn andere für uns einen Pullover oder ein Buch aussuchen, sei es schliesslich ziemlich unwahrscheinlich, dass sie unsere Präferenz so  zielsicher treffen, wie wir das selbst getan hätten. Gemessen an der Befriedigung, die uns ein eigenhändig getätigter Einkauf hätte verschaffen können,  schneidet das Geschenk also fast immer schlechter ab. Die Idee des Schenkens hat aber mit Effizienz und Ökonomie nichts zu tun! Der Philosoph Michael Sandel schreibt, das Ziel von Geschenken sei nicht, Konsumvorlieben optimal zu erfüllen, sondern die Beziehung zwischen Geber:in und Empfänger: in zu  festigen. Und das tun wir, indem wir uns im Geschenk riskieren und uns bemühen, etwas zu finden, mit dem wir unserer Zuneigung Ausdruck verleihen können.

Was ist ein gutes Geschenk?
Es klingt wahnsinnig blöd, aber eines, das von Herzen kommt, also eines, das der Beziehung gerecht wird, in der man zu der beschenkten Person steht. Wenn  der Partner keine Agenda führt und einen das aufregt, ist es nicht freundlich, ihm eine Agenda zu schenken. Denn eigentlich gilt das Geschenk ja dann einem selbst: Man hofft, damit das Gegenüber zu verändern. Ein Geschenk, das von Herzen kommt, hat keine Absicht und will auch nicht zwingend nützlich sein.  Es will die beschenkte Person in erster Linie erfreuen und die Zuneigung zu ihr ausdrücken.

Haben Sie einen Wunsch?
Wer hätte keinen? Materielle Wünsche habe ich allerdings wenig. Ich bin mir bewusst, wie privilegiert ich bin, dies sagen zu können.

*  Barbara Bleisch ist Philosophin und Autorin und  moderiert die «Sternstunde Philosophie» bei SRF sowie eine eigene Gesprächsreihe in der «Dampfzentrale Bern»
 

Hier geht’s zur ganzen Weihnachtsserie «geschenkt».