Hospizbern08

Mitten im Leben

In Bern wird das erste Hospiz für Erwachsene eröffnet. Die Katholische Kirche stellt neben einer finanziellen Unterstützung mit Isabella Skuljan eine erfahrene Spitalseelsorgerin zur Verfügung.

Anja ist 39 und Mutter von zwei Kindern. Sie lebt seit einigen Jahren mit einer unheilbaren Krebsdiagnose. Gleichzeitig möchte sie so lange wie möglich ein halbwegs normales Leben inmitten ihrer Familie führen. Doch mehr und mehr wird ihre Situation für alle Beteiligten zu einer Belastung. Anja braucht immer intensivere Unterstützung, um ihren Alltag bewältigen zu können, die Aufmerksamkeit für die Kinder gerät aus dem Fokus, die finanzielle Lage der Familie spitzt sich zu. Die Familie sucht nach einer Anschlusssituation.

Würde, Autonomie und Sicherheit

Szenenwechsel: Am Freitag, 13. August 2026, fand im diaconis die Pressekonferenz zur Eröffnung des ersten Hospizes im Kanton Bern statt. Es bietet unheilbar kranken Erwachsenen in ihrer letzten Lebensphase ein geborgenes und würdevolles Umfeld, so wie Anja, deren fiktiver Fall in einem kurzen Imagevideo zu Beginn der Veranstaltung geschildert wird. Oft sind es Menschen, die durch ihre Diagnose mitten aus dem Leben gerissen werden. Sie erfahren Sicherheit und eine familiäre Atmosphäre, in der der Fokus ausschliesslich auf der Würde, der grösstmöglichen Autonomie und der Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen liegt.

Frei von Entscheidungen

Im Unterschied zur Palliativstation, in der das Leben oft noch von zahlreichen medizinischen Entscheidungen und Weichenstellungen bestimmt ist, fällt mit der bewussten Entscheidung für eine Unterbringung im Hospiz diese Last weg und man kann sich wieder dem Hier und Jetzt hingeben. Die Angehörigen sind dabei ein zentraler Teil des Systems und können rund um die Uhr vor Ort sein. Die letzten zwei bis drei Wochen – das ist der Durchschnitt einer Unterbringung – sind besonders kostbar.

Fast wie zu Hause

Momentan befindet sich das Hospiz Bern mit seinem Trägerverein Stiftung Hospiz Mon Soleil zur Untermiete im diaconis, wo die Bewohner:innen von einer Terrasse aus den wundervollen Blick über die Altstadt von Bern geniessen können. Ein Gemeinschaftsraum sorgt für eine wohnliche Atmosphäre und jedes Zimmer ist mit einem Nebenraum verbunden, in dem Angehörige übernachten können. In einigen Jahren soll der Umzug in die Villa Mon Soleil im Länggassquartier erfolgen.

Katholische Kirche stellt Seelsorge zur Verfügung

Die Stiftung Hospiz Mon Soleil legt wert auf ein Konzept der integrierten Versorgung, in dem auch die Seelsorge einen zentralen Platz einnimmt. Die Spezialseelsorge der Katholischen Landeskirche im Kanton Bern hat dafür eine Person mit 20 Stellenprozent zur Verfügung gestellt. Vorbild ist die Spitalseelsorge, in der die Katholische Kirche schon seit Jahren aktiv ist. Isabella Skuljan, die über 13 Jahre im Inselspital als Spitalseelsorgerin gearbeitet hat, wird ab September die Bewohnenden des Hospizes seelsorgerisch unterstützen.

Wie wollen wir sterben?

Insgesamt 5 Projekte mit ca. 10 bis 12 Plätzen sind für die nächsten Jahre im Kanton Bern geplant. Bereits vor zwei Jahren wurde das Kinderhospiz allani gegründet. Hier wie beim Hospiz Bern hat sich die Katholische Kirche Region Bern mit einem beträchtlichen finanziellen Betrag engagiert. Der Bedarf liegt weitaus höher. Damit stellt sich für uns alle die Frage: Wie wollen wir sterben? Und was ist uns ein Lebensende in Würde und Selbstbestimmung wert? Diese Frage wird uns sicherlich noch länger beschäftigen. Wichtig ist den Trägern des Hospiz Bern und des Kinderhospiz allani: Die Entscheidung über die Unterbringung soll nicht von den finanziellen Mitteln der Betroffenen abhängen. Dafür sind die Hospize auf Spenden angewiesen.

Christian Geltinger

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