Römisch-katholische Kirche im Kanton Bern

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Vom "Osterlachen"

denn ihr werdet lachen...

denn ihr werdet lachen...

Diese Seligpreisung aus dem Lukasevangelium ist wie ein Hoffnungsfunke und eine Verheissung am Karfreitag, die sich an Ostern erfüllt. Die Freude der ersten Christinnen und Christen darüber, dass der Tod Jesu nicht das Ende seines Wirkens ist, sondern der Übergang zu einem neuen Leben, gab dem Christentum die Sprengkraft, sich trotz widrigster Umstände zu verbreiten. Osterfreude ist Lebensfreude, die ihren ganzheitlichen Ausdruck im Lachen findet. So bezeichnet der Theologe Karl-Josef Kuschel die Auferstehung Christi als „Ausdruck von Gottes Gelächter über den Tod“.

´Osterlachen´
In der Kirche wurde das ´Osterlachen´ seit dem 14. Jahrhundert zu einem Brauch, um der Osterfreude nach der Fastenzeit ein wenig auf die Sprünge zu helfen: Die Person, die im Ostergottesdienst predigte, versuchte mit manchem frommen oder weniger frommen Witz das Kirchenvolk zum Lachen zu bringen, denn: wer lacht, spürt Lebenslust und ist empfänglicher für die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Das Osterlachen bot auch die Möglichkeit, auf humorvolle Weise ein wenig Kritik an der einen oder anderen kirchlichen Sachlage zu üben.

Humor in der Kirche und besonders im Gottesdienst sahen und sehen aber nicht alle Beteiligten in gleicher Weise als angebracht, besonders wenn es nicht nur um ein freundliches Lächeln, sondern um ein herzhaftes Lachen geht (der lateinische Begriff für Osterlachen, ´risus paschalis´ bedeutet soviel wie ´österliches herzhaftes Lachen´). Ernsthaftigkeit und Sakralität würden dadurch gestört.

Innere Heiterkeit
Wie können wir dann aber die Seligpreisung aus dem Lukasevangelium verstehen? Um welchen Humor und um welches Lachen geht es? Es geht sicher nicht um eine Art Fun, Klamauk und Tollerei, mit der sich Menschen angesichts einer bedrückenden und hoffnungslosen Welt in die Zerstreuung und in Illusionen flüchten; sondern es geht um eine innere Heiterkeit, die der Welt mit ihrer Gebrochenheit und ihren Fehlschlägen nahe ist, ohne sich von ihr absorbieren und niederdrücken zu lassen. Diese Art von Humor ist eine Grundhaltung, die es uns ermöglicht, der Welt und dem eigenen Leben ins Gesicht zu schauen und gleichzeitig eine Gelassenheit und gewisse Distanz zu bewahren.

Christliches Gottvertrauen
Der Grund jener inneren Gelassenheit ist das christliche Gottvertrauen, das sich selbst nicht als Mass aller Dinge versteht, sondern die eigene Sichtweise und das eigene Tun immer wieder relativieren kann mit Blick auf die uns übersteigende Gegenwart Gottes.

Thomas Morus hat uns schon im 16. Jahrhundert in einem überlieferten Gebet ein humorvolles Beispiel für sein Gottvertrauen gegeben:

„Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine heilige Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich ´Ich´ nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“


Ich wünsche allen ein frohes Osterfest, an dem sich die Verheissung der Seligpreisung aus dem Lukasevangelium erfüllen kann.

Christine Vollmer Al-Khalil, Theologin

Christine Vollmer Al-Khalil

Theologin

24.03.2005


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