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Kirchenstatistik: Weniger Mitglieder trotz rückläufiger Austrittszahlen

Dass Kirchen Mitglieder verlieren, ist seit Jahren bekannt. Neu ist, dass die Austrittszahlen seit zwei Jahren rückläufig sind.

von Sylvia Stam, pfarrblatt Bern

 

Die Anzahl Kirchenmitglieder sinkt stetig. Im Jahr 2025 haben 27'878 Menschen die römisch-katholische Kirche verlassen, auf evangelisch-reformierter Seite waren es 26243 Personen. 

Die römisch-katholische Kirche Schweiz hatte Ende 2025 noch 2'684'145 Mitglieder, das sind 526’810 weniger als noch vor zehn Jahren. Die evangelisch-reformierte Kirche verlor im gleichen Zeitraum 446'288 Mitglieder, 2025 gehörten ihr noch 1'766'593 Personen an.

Kirchenmitglieder 16 25

Austrittszahlen rückläufig

Dieser Trend ist hinlänglich bekannt. Das Pastoralsoziologische Institut (SPI), welches die Kirchenstatistik erhebt, konnte bei der Medienkonferenz am 18. September aber auch mit einem Gegentrend aufwarten: Die Zahl der Kirchenaustritte ist seit zwei Jahren rückläufig. Katholischerseits gab es 2025 knapp 9000 Austritte weniger als im Vorjahr und fast 40'000 weniger als 2023 – in dem Jahr wurde die Pilotstudie zu Missbrauch publiziert. Damit liegen die Austrittszahlen etwa auf dem Niveau von 2019. Dieser Trend gilt, in geringerem Ausmass, auch für die evangelisch-reformierte Kirche. 

Austritte Kathref

Auf Nachfrage einer Journalistin erklärte Arnd Bünker, Leiter des SPI, dieser Rückgang könne damit zusammenhängen, dass die Empörung über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, welche die Schweiz seit etwa 2018 beschäftigten, vielleicht allmählich in den Hintergrund trete. Er kann sich entsprechend vorstellen, dass die Austritte Ende 2027 wieder zunehmen werden, da am 2. Februar die Hauptstudie zu Missbrauch in der katholischen Kirche Schweiz publiziert werden wird. 

Erwachsenentaufe: Boom oder Medienhype

Die aktuelle Bilanz ist allerdings doppelt negativ: Den 27'878 Austritten stehen auf katholischer Seite bloss 12'809 Neuzugänge in Form von Taufen gegenüber. Die Taufen fangen die Austritte und den Wegfall an Mitgliedern durch Todesfälle längst nicht mehr auf. Nur 16,4 Prozent der Neugeborenen in der Schweiz wurden 2025 noch römisch-katholisch getauft. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, zumal sich 2025 nur noch 1651 katholische Paare das Ja-Wort gaben.
 

 

Erwachsenentaufen Kath


Vor diesem Hintergrund stellten sich das SPI und Kirchenvertreter die Frage, was an dem medial vermittelten Boom bei den Erwachsenentaufen dran sei. «Die Schweizer Zahlen belegen das nicht», sagt Arnd Bünker nüchtern. Seit 2020 steigt die Kurve der Erwachsenentaufen zwar stetig an, allerdings bewegen sich diese Zahlen lediglich im Hunderterbereich. Liessen sich 2012 noch 174 Erwachsene taufen, waren es 2025 zwar 339, dazwischen liegen aber viele Schwankungen. Dennoch nimmt der Anteil Erwachsenentaufen bei sinkenden Gesamttaufzahlen zu, wie die obige Grafik zeigt. 

Religion wird medial sichtbarer

In Bezug auf die Erwachsenentaufen in Frankreich, die medial Schlagzeilen machten, weist Bünker darauf hin, dass es sich hierbei weniger um eine Erweckungsbewegung, sondern oftmals um aufgeschobene Taufen von Menschen handelt, die noch einen kirchlichen Hintergrund haben. 

Erwachsene würden ihr Tauffest selbstbewusst inszenieren und medial zeigen, etwa durch die Verbreitung von Fotos und Videos auf Social Media, erklärt Bünker die mediale Wahrnehmung von Erwachsenentaufen. Auf Nachfrage eines Journalisten ordnete er dies in den grösseren Kontext der Entprivatisierung von Religion ein. Diese zeige sich nicht nur auf Social Media, sondern auch bei Fussballspielen, wenn Spieler sich vor laufender Kamera bekreuzigten oder beteten.  

Weder Entwarnung noch Katastrophe

Für die Evangelisch-Reformierte Kirche Schweiz (EKS) stehe weniger Empörung über einzelne Ereignisse hinter den Austritten, sondern vielmehr die mangelnde Relevanz, welche die Kirche in der Gesellschaft und im Leben ihrer Mitglieder habe, stellte Stephan Jütte, Kommunikationsbeauftragter der EKS, nüchtern fest. Die aktuellen Zahlen seien daher weder eine Entwarnung noch eine Katastrophe. Vielmehr stelle sich die Frage: «Wie wollen wir als Kirche sein, wenn wir nicht mehr selbstverständlich sind?»

Hierauf müssten die Kirchen in Zukunft Antworten suchen. Auf Nachfrage des «pfarrblatt» skizzierte er mögliche Antworten: In Kirchgemeinden werde vermehrt dazu eingeladen, über Glaubensthemen zu sprechen. Andernorts könne man beobachten, dass Kirche dort, wo sie ihre Kirchenmauern verlasse und sich vernetze, wieder stärker ins Zentrum rücke. Als Beispiele nannte er Citykirchen oder die Verbindung von Kirche mit Tourismus. 

 

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