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Zukunft für junge Menschen, Wirkung für die Gesellschaft

Karl-Martin Wyss, Präsident des Kleinen Kirchenrats der Katholischen Kirche Region Bern, zum Schlussbericht von Bärner Härz - Berufsintegration.

Mit «Bärner Härz – Berufsintegration» unterstützte die Römisch-Katholische Gesamtkirchgemeinde Bern junge Menschen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Nach vier Jahren zieht Karl-Martin Wyss, Präsident Kleiner Kirchenrat, im Gespräch Bilanz.

 

Wie entstand die Idee zu «Bärner Härz – Berufsintegration»?

Der Ausgangspunkt war die Corona-Krise. Gerade junge Menschen haben damals grosse Solidarität gezeigt und mussten auf vieles verzichten: soziale Kontakte, Freizeit, einen normalen Schul- und Ausbildungsalltag. Wir wollten das nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern Danke sagen – und dieses Danke mit konkretem Handeln verbinden.

Warum lag der Schwerpunkt auf Bildung und Berufsintegration?

Die Pandemie hat bestehende Ungleichheiten verschärft. Besonders Jugendliche aus bildungsfernen Familien oder mit Migrationshintergrund waren benachteiligt. Deshalb wollten wir Zukunftschancen ermöglichen. 2021 stellte der Grosse Kirchenrat dafür 750'000 Franken zur Verfügung.

Wie sah die Unterstützung konkret aus?

Acht Institutionen wurden gefördert – von Lerntandems und Spracherwerb über Lernbegleitung bis zu Berufswahl, Lehrstellensuche und Berufsintegration. Entscheidend war, dort anzusetzen, wo junge Menschen Unterstützung brauchen.

Was hat das Programm bewirkt?

Aus der befristeten Förderung sind nachhaltige Angebote entstanden. Learn4Life etwa konnte seine Infrastruktur ausbauen, das Angebot professionalisieren und neue Standorte eröffnen. 2021 wurden rund 320 Schülerinnen und Schüler pro Woche erreicht, 2025 bereits mehr als 500.

Und es gibt Angebote, die weitergeführt werden?

Ja, wir werden nicht ruhen und wachsam bleiben. Zum Beispiel wurden gemeinsam mit den Kornhausbibliotheken Lesetandems aufgebaut, die auch nach Abschluss der Spezialfinanzierung weitergeführt werden. So wird aus einer einmaligen Förderung etwas Dauerhaftes.

Wie fällt die finanzielle Bilanz aus?

Von den bewilligten 750'000 Franken wurden 749'270 Franken eingesetzt. Für uns ist klar: Nachhaltige Bildung und Chancengleichheit zu fördern sind zentrale Themen für unsere Gesellschaft. Die Röm.-Katholische Kirche steht hier nicht an der Seitenlinie. Das war gut investiertes Geld.

Was hat «Bärner Härz» mit dem Auftrag der Kirche zu tun?

Sehr viel. Kirche lebt Solidarität, nicht nur mit Worten. Sie unterstützt dort, wo Hilfe konkret etwas bewirken kann. Dabei müssen wir nicht alles selbst machen. Wir stärken Organisationen, die nahe bei den Menschen arbeiten und über das notwendige Fachwissen verfügen – partnerschaftlich, zielgerichtet und möglichst unbürokratisch.

Ist mit dem Ende der Spezialfinanzierung auch das Engagement beendet?

Nein. Das Reglement ist Ende 2025 ausgelaufen, das Anliegen bleibt aktuell. Projekte zur Berufsintegration können weiterhin unterstützt werden. Und «Bärner Härz» bleibt als Haltung für schnelle, unbürokratische Hilfe bestehen.

«Bärner Härz» reicht inzwischen also über die Berufsintegration hinaus?

Ja. Zusätzlich haben wir mit der «Corona-Million» geholfen. Für Massnahmen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine wurde eine weitere Million Franken bereitgestellt, für Projekte in Syrien 250'000 Franken. Nach der Katastrophe in Blatten konnten wir ebenfalls schnell helfen, zuletzt auch nach der Sturzflut in Nepal. «Bärner Härz» steht dafür, solidarisch zu handeln, wo Menschen dringend Unterstützung benötigen.

Was bleibt für Sie persönlich von «Bärner Härz»?

Dass Solidarität in der heutigen Zeit existenziell wichtig ist. Wir haben gesehen, was junge Menschen während der Corona-Krise für die Gesellschaft geleistet haben, und darauf mit Solidarität geantwortet. Der Erfolg lässt sich nicht in Franken messen. Er zeigt sich in Jugendlichen, die Unterstützung erhalten, in stabilisierten Bildungswegen und gefundenen Lehrstellen. Die wichtigste Botschaft von «Bärner Härz» ist: Bernerinnen und Berner sind wachsam, schauen hin – und wenn Hilfe gebraucht wird, handeln wir gemeinsam und mit Herz.

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