Kursabend "Enlightment". Foto: Thomas Uhland

Wie man sich in der Schweiz Freund:innen macht

Weiterbildung für Flüchtlinge, Veranstaltungen mitfinanziert vom Diakoniefonds der Katholischen Kirche Region Bern

Wie lebt man in der Schweiz? Die Frage ist nur auf den ersten Blick banal. Auf den zweiten zeigt sich: Es lauern vielerlei Fallstricke. Das zeigt ein Bildungsprojekt für Flüchtlinge.

Von Thomas Uhland

Manchmal braucht es den Blick von aussen, um zu erkennen, wie kompliziert das Leben in der Schweiz ist. Aussen bedeutet in diesem Fall: von Personen, die aus afrikanischen Ländern in die Schweiz eingewandert sind. Hand aufs Herz – welche Schweizerin, welcher Schweizer wüsste, wie man in Dakar, Addis Abeba oder Lusaka an eine Wohnung kommt? Worauf zu achten ist, damit man dabei nicht über den Tisch gezogen wird? Wie man sich die Nachbarschaft und die Hausverwaltung zu Freund:innen macht, und nicht zu Feind:innen?

Männersache

Um genau solche Themen ging es an diesem Kurs­abend im August. Eingeladen hatten das Swiss African Forum zusammen mit isa – Fachstelle Migration. Mitfinanziert wird die Veranstaltungsreihe von der Katholischen Kirche Region Bern. Unter dem einigermassen gewichtigen ­Titel «Enlightenment» (Erleuchtung) bieten die beiden Organisationen Informationsanlässe zu Themen wie Schule und Berufsbildung, Gesundheitswesen, Altersvorsorge oder Finanzen an. Sie sollen helfen beim Zusammenleben in der Schweiz.

Oder eben: zum Beispiel beim Thema Wohnen. Ja, dass die Vermieterschaft eine Kaution verlangt, ist üblich und legal. Nein, die Kaution darf nicht ohne Gerichtsbeschluss eingezogen werden. Einige der Teilnehmenden (erst gegen Ende der Veranstaltung tauchte die erste Frau auf), die zum Teil schon seit langer Zeit in der Schweiz leben, steuerten ihre Erfahrungen bei. Einige Verwaltungen würden sich um die Regeln foutieren und versuchen, die Kaution ungerechtfertigt auf ihr Konto umzuleiten, berichtete ein Mann aus Guinea. Und fügte an, dass er sich erfolgreich gegen das Ansinnen zur Wehr gesetzt habe.

«A very beautiful country»

Die beiden Kursleitenden Sonja Spuri und ­Matthias Rysler führten auf Deutsch und Englisch durch die Themen. Einige der Afrikaner:innen, die zum Teil schon länger in der Schweiz wohnen, steuerten ihre Erkenntnisse zu den geschriebenen und ungeschriebenen Regeln des Zusammenlebens in der Schweiz bei. Schade, dass einige Fragen wie der Umgang mit dem Abfall oder das Verhalten in der Waschküche – der Achillesferse jedes Mietshauses – der mangelnden Zeit zum Opfer fielen.

Den bis am Schluss knapp zehn Teilnehmenden gefiel es trotzdem. Sie hangelten sich mit Händen, Füssen und einer ordentlichen Portion Humor durch den Sprachen- und Kulturwirrwarr, genossen das internationale Zusammensein und das anschliessende äthiopische Nachtessen. Sodass der Mann aus Sambia am Schluss des Anlasses mit viel Überzeugung betonte: «Switzerland is a very beautiful country.»

Nächste Veranstaltungen vom Enlightenment Project am 15. Oktober zu Finanzen, Steuern und Schulden sowie am 26. November zum Aufenthaltsrecht in der Schweiz.

Mehr zum Programm auf www.isabern.ch 

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