Dienst in der christlichen Gemeinschaft
Die Gemeinschaft glaubender Menschen ist im Verständnis der katholischen Kirche etwas anderes als ein Verein. Denn diese Gemeinschaft lebt aus der Verbundenheit mit dem Göttlichen: Gott selbst ruft Menschen in seine Nähe. Glaubende Menschen vertrauen und antworten diesem Ruf. So bilden sie das«Volk Gottes», die Kirche.
Das Volk Gottes orientiert sich an der Person und am Leben von Jesus. So sehr vertrauen sich glaubende Menschen Jesus Christus an, dass man die Kirche manchmal auch «Leib Christi» nennt – Christus ist das Haupt, die Glieder des Leibes sind alle, die ihm vertrauen. Mit diesem Bild erzählt die Bibel (1 Kor 12)von den unterschiedlichen Aufgaben, Diensten und Ämtern in der christlichen Gemeinschaft. Und deutet gleichzeitig an, welch grosse Vertrauenssache es ist, Volk Gottes zu sein.
Seit ihren Anfängen haben in der Kirche Menschen besondere Dienste und Ämter für die Gemeinschaft übernommen. Dafür waren und sind sie in vielfacher Weise auf Vertrauen angewiesen. Nur eine lebendige Vertrauensbeziehung zum Göttlichen sowie die vertrauensvolle Beziehung zu den anderen Gliedern des «Leib Christi» legitimieren diese Dienste und Ämterim Innersten.
Besondere Dienste und Ämter wurden schon in der Zeit des Alten Testament, in der Antike, durch eine sogenannte «Weihe» übertragen. Propheten und Priester wurden häufig durch Gebet, Handauflegung und eine Salbung im Namen Gottes für den Dienst an den Menschen beauftragt. Diese bekannten Zeichenhandlungen wurden später übernommen und in der christlichen Gemeinschaft neu gedeutet – als besondere Vertrauensbeziehung zu Jesus Christus, als Antwort auf seinen Ruf zur Nachfolge.
In der katholischen Kirche gibt es heute die Weihe zum Diakon, Priester und Bischof. Das Weihesakrament wird vom Bischof gespendet. Die wichtigsten Zeichen in der Liturgie – Gebet, Handauflegung, Salbung mit Chrisamöl – sind allen drei Weihen gemeinsam.
- Die erste Weihestufe ist die Weihe, auch Ordination genannt, zum Diakon. Diakon ist ein griechisches Wort und heisst ganz wörtlich übersetzt: Diener. Der geweihte Diakon ist also in besonderer Weise dem Dienst am Menschenverpflichtet. Tätige Nächstenliebe, die Zuwendung zu Menschen in Not, soll ein Erkennungszeichen der christlichen Gemeinschaft sein. Das ist der Auftrag Jesu. Dazu sind alle Christinnen und Christen berufen. Diese herausragende Bedeutung der Diakonie – des Dienstes am Menschen – wird durch das Amt des Diakons betont. Da diese Weihestufe zugleich die Voraussetzung für die weiteren Weihestufen ist, verliert der Aspekt des Dienens in der kirchlichen Praxis jedoch leider oft an Bedeutung.
- Die zweite Weihestufe ist die Weihe zum Priester. Die Priesterweihe ist mit den Ämtern der Verkündigung, der Heiligung und Leitung der Kirche verbunden. Priester haben den Auftrag, die Botschaft von Jesus Christus, das Evangelium, zu verkündigen, diese befreiende Botschaft wachzuhalten. Sie stehen einer Eucharistiefeier vor, und sie spenden ausserdem die Sakramente Taufe, Versöhnung und Krankensalbung, und sie assistieren einem Brautpaar bei der Spendung des Ehesakraments. Priester sind ausserdem in das Amt der Leitung der Kirche eingebunden.
- Die dritte Weihestufe ist die Bischofsweihe. Für den Bischof gilt dasselbe wie für Priester, auch ihnen wird das Amt der Verkündigung, der Heiligung und Leitung der Kirche übertragen. Bischöfe haben jedoch einen besonderen Leitungsauftrag. Ausserdem sind die Spendung des Sakraments der Firmungsowie des Weihesakraments dem Bischof vorbehalten.
In der katholischen Kirche gibt es seit langem Diskussionen über die sogenannten «Zulassungsbedingungen» zur Weihe, da traditionell nur unverheiratete Männer zum Priester und Bischof geweiht werden. Der sogenannte «Ständige Diakonat» steht seit Mitte der 1960er Jahre auch verheirateten Männern offen. In diese Fragen ist inzwischen viel in Bewegung geraten, und die Diskussion über die Weihe für Frauen und verheiratete Männer wird auch in der Weltkirche zunehmend offen geführt.