Hintergrundwissen

Die röm.-katholische Kirche weltweit

Die katholische Kirche versteht sich als globale Kirche. Es gibt kaum ein Land auf der Erde, in dem sie nicht präsent ist. Gegen 1,4 Milliarden Menschen fühlen sich ihr zugehörig. Damit ist sie auch die mit Abstand grösste Kirchengemeinschaft des Christentums.

Sie bezeichnet sich nicht nur als katholisch (griech. katholikos: allgemein, umfassend), sondern auch als apostolisch, denn sie führt sich auf die Apostel, also die Jünger Jesu, zurück. Sie erhebt traditionell den Anspruch, von Jesus selber gegründet worden zu sein. Nach eigenem Verständnis ist sie damit auch die älteste christliche Kirche.

Römisch nennt sie sich, weil sie im Papst, der im Vatikan/Rom residiert, ihr Oberhaupt sieht. Dieser sei der Nachfolger des Apostels Petrus und der Statthalter Christi auf Erden. Ganz so allmächtig ist der Papst indes nicht. Er ist, genau genommen, als Bischof von Rom "nur" ein Erster unter Gleichen. Seine Macht ist durch eine Vielzahl von Regeln und Gremien beschränkt. Seine Macht gegenüber den Christinnen und Christen auf aller Welt ist in erster Linie moralischer Natur.

Gerade weil er nicht alleine von oben regieren kann, hat Papst Franziskus einen weltweiten Synodalen Prozess angestossen.

Viele Kulturen – eine Kirche

Nüchtern betrachtet war die Gemeinschaft der ersten Christen allerdings noch sehr weit von der durchstrukturierten Organisation entfernt, welche die katholische Kirche heute ausmacht. Vieles von dem, was heute als «typisch katholisch» empfunden wird, wurde tatsächlich erst durch das Erste Vatikanische Konzil 1870/71 oder sogar im Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 bis 1965 beschlossen.

Eine globale Kirche umfasst eine grosse Zahl verschiedener Kulturen. Vielerorts decken sich die Werte keineswegs mit denen in Mitteleuropa, etwa bezüglich der Stellung von Frauen oder der sexuellen Orientierung.

Sich unter diesen Umständen zu verändern, ist für die Kirche schwierig. Sie muss ständig zwischen den verschiedenen Polen vermitteln, wenn sie keine Kirchenspaltung riskieren will. Die Kirche ist fähig, sich zu verändern, das hat sie vielfach bewiesen. Aber es braucht Zeit.

Zwischen Schuld und Segen

Auf ihrem langen Weg hat sich die Kirche vielerlei Verbrechen schuldig gemacht. Von den Kreuzzügen bis zu den Hexenverfolgungen, vom Ämterschacher bis zum sexuellen Missbrauch hat sie viel Leid verursacht.

Und doch wäre es falsch, die Kirche darauf zu reduzieren. Denn auch wenn sie christliche Werte oft genug mit Füssen getreten hat: Unsere freiheitliche Gesellschaft und unsere sozialen Errungenschaften wären ohne sie nicht denkbar. Sie darf als Erfinderin des Sozialwesens, der Gesundheitsfürsorge und der Bildungseinrichtungen gelten. In den kirchlichen Universitäten regierten die meiste Zeit nicht Denkverbote, sondern kritisches und wissenschaftliches Arbeiten. Orden waren immer wieder Labore neuer, teils revolutionärer Ideen. Frauen fanden in den Klöstern Freiräume, von denen sie ausserhalb in der Gesellschaft nur träumen konnten.

Die Katholische Kirche im Kanton Bern

Die Röm.-kath. Kirche im Kanton Bern ist eine aufgeschlossene Kirche, die sich den Herausforderungen der Zeit stellt. Sie ist, wie in den meisten Kantonen, dual organisiert, mit zwei gleichberechtigten Führungslinien. Die pastorale Linie kümmert sich um Gottesdienst und Seelsorge. Hier befinden sich das Bistum, die Leitung der Pfarrei, die Seelsorgenden und alle weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die staatskirchenrechtliche Linie sorgt für Verwaltung und Infrastruktur. Ein kurzes Erklärvideo zum dualen System finden Sie hier.

Auf der pastoralen Seite gehört die Röm.-kath. Kirche des Kantons Bern zum Bistum Basel, das von Bischof Felix Gmür in Solothurn geleitet wird. Das grösste Bistum der Schweiz reicht vom Neuenburger- bis an den Bodensee. Zusammen mit den Kantonen Solothurn und Jura gehört Bern zum Bischofsvikariat (bzw. Bistumsregion) St. Verena mit Sitz in Biel.

Weil sich viele Aufgaben besser regional bewältigen lassen, sind im Kanton Bern sieben Pastoralräume errichtet worden. Zu ihnen gehören 39 Pfarreien. Dazu kommen mehrere Anderssprachige Gemeinschaften, die für die Seelsorge von Migrantinnen und Migranten verantwortlich sind.

Die staatskirchenrechtliche Linie ist (analog zum Kanton Bern) demokratisch verfasst. Es gibt 34 Kirchgemeinden, wovon zwei Gesamtkirchgemeinden. Häufig, aber nicht immer, sind diese deckungsgleich mit den Pfarreien. Die Kirchgemeinden stellen das Personal an und sorgen für die Infrastruktur für das Pfarreileben. Geleitet werden sie von der Kirchgemeindeversammlung und vom Kirchgemeinderat.

Nur die Seelsorgenden auf den insgesamt ca. 75 kantonalen Stellen sind von der Landeskirche angestellt. Diese ist zuständig für kantonale oder überregionale Aufgaben und verwaltet die entsprechenden Mittel. Zudem ist sie Ansprechstelle für die kantonale Verwaltung. Sie wird vom Landeskirchenparlament und vom Landeskirchenrat geleitet.

Mehr Informationen zur staatskirchenrechtlichen Linie finden Sie hier.

Ein kurzes Erklärvideo zum dualen System der katholischen Kirche finden Sie hier.

Finanzen

Die Kirchensteuern der natürlichen Personen bleiben zu über 90 Prozent in der eigenen Kirchgemeinde und werden für die Aufwendungen der lokalen Pfarrei bzw. des Pastoralraums und für soziale Zwecke verwendet.

Etwa 9 Prozent der Kirchensteuern gehen an die Landeskirche. Sie finanziert damit kantonale, überregionale und nationale Aufgaben. Ein grosser Teil geht in soziale Projekte, viele davon auf ökumenischer Basis. Beiträge erhalten auch das Bistum, die Anderssprachigen Gemeinschaften und andere kirchliche Institutionen. Seit 2020 ist die Landeskirche auch zuständig für die Administration der Seelsorgenden, die unter dem alten Landeskirchengesetz vom Kanton angestellt waren. Der Kanton vergütet jedoch die Personalkosten.

Rom geht übrigens leer aus. Der schweizerische Beitrag an den Vatikan besteht einzig aus dem Peterspfennig, der als freiwillige Spende erhoben wird.

Dass Unternehmen Kirchensteuern entrichten müssen, ist wirtschaftsliberalen Kreisen seit längerem ein Dorn im Auge. Ein Unternehmen könne keine religiöse Überzeugung haben, ist ihr Hauptargument.

Seit 2015 unterliegen die Kirchensteuern der juristischen Personen jedoch einer negativen Zweckbindung: Sie dürfen nur für soziale Zwecke eingesetzt werden, nicht für kultische. Und davon profitieren Unternehmen durchaus.

Sonderbare Heilige

Heilige sind vieles, aber ganz sicher sind sie nicht pflegeleicht. Einst wie heute bürsten sie die Gesellschaft gegen den Strich, halten Mächtigen den Spiegel vor, ermahnen, stellen in Frage. Unabhängig davon, ob sie vor hunderten von Jahren lebten oder noch heute unter uns sind. Und unabhängig davon, ob sie offiziell von der Kirche heiliggesprochen wurden oder nicht.

Mit den lieblichen Gestalten, die mit verklärtem Blick himmelwärts schauen, haben sie hingegen wenig zu tun. Im Gegenteil waren sie meist recht taffe und bisweilen auch handfeste Personen. Sie scheuten sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen - auch nicht, wenn sie Königen gegenüberstanden. So widerstand etwa Columban ums Jahr 600 dem fränkischen König Theuderich wegen dessen Lebenswandel. Vor 50 Jahren predigte der Erzbischof von El Salvador, Oscar Romero, gegen die Ungerechtigkeit und stellte sich auf die Seite der Armen; dafür wurde er 1980 von rechtsextremen Todesschwadronen ermordet.

Lieber sterben als Überzeugung aufgeben

Heilige sind Glaubensvorbilder, weil ihr Glaube konkrete Auswirkungen hatte. In den ersten Jahrhunderten, als Christinnen und Christen blutig verfolgt wurden, wurden meist Märtyrer für herausragende Glaubenszeugen gehalten (was der Begriff "Märtyrer" auch bedeutet). Auch heute gibt es Christinnen und Christen, die lieber sterben wollen, als ihre Überzeugung aufzugeben. Bekannt ist etwa Maximilian Kolbe, ein Priester, der sich im KZ Auschwitz freiwillig für einen Mithäftling in den Hungerbunker sperren und ermorden liess.

Als das Christentum im Römischen Reich legal wurde und die Verfolgungen endeten, wurden auch Menschen mit einem vorbildlichen, gottgefälligen Leben als heilig angesehen. So sind beispielsweise der Heilige Franziskus oder der Schweizer Nationalheilige Niklaus von Flüe eines gewaltlosen und natürlichen Todes gestorben. Doch sie beide stellten die gängigen Wertvorstellung in Frage und rüttelten durch ihren kompromisslosen Lebenswandel auf.

Wuchernde Legenden

Der Heiligenkult hat durch die Jahrhunderte bisweilen seltsame Blüten getrieben. Heiligenlegenden wurden üppig mit allerhand Wundern ausgeschmückt. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte der Zürcher Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperatius. Sie sollen mit abgeschlagenen Köpfen einige Dutzend Meter bis zu dem Ort gegangen sein, wo sie beerdigt sein wollten (dort wurde später das Grossmünster errichtet).

Oft vermischten sich Geschichten von Heiligen mit denen vorchristlicher lokaler Götter. Oder gewisse Wunder wurden mehreren Heiligen angedichtet. So gleicht die Geschichte von Felix, Regula und Exuperatius auffallend derjenigen der Solothurner Stadtheiligen Urs und Viktor. Sie alle gehörten der Thebäischen Legion an und wurden bei derselben Verfolgungswelle umgebracht.

Heilige gibt es unzählige, sowohl in der katholischen als auch in der orthodoxen Kirche. Viele von ihnen wurden nie offiziell heiliggesprochen, sondern vom Volk für heilig erklärt. Ein Beispiel ist Padre Pio aus Apulien. An seinen angeblichen Wundern bestehen grosse Zweifel. Trotzdem hängt sein Bild noch heute in fast jeder apulischen Stube.

Eine umfangreiche und wohl trotzdem unvollständige Auflistung gibt es im Heiligenlexikon.

Die katholische Kirche in der Schweiz

In der Schweiz tickt die Katholische Kirche ein wenig anders. Das duale System ermöglicht demokratische Mitsprache, wie sie sonst nirgends auf der Welt möglich ist. Es verbindet das hierarchische System der Katholischen Kirche mit einem demokratischen System, in dem das höchste Organ die Versammlung der Mitglieder bzw. deren parlamentarische Vertretung ist. Dabei respektiert jedes der beiden Systeme die jeweiligen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten des anderen.

Auf der pastoralen Seite gibt es die Bistümer, die von ihren Bischöfen geleitet werden. Sie sprechen sich in der Schweizer Bischofskonferenz SBK ab, in der überdies die Äbte der Klöster Einsiedeln und St-Maurice vertreten sind. Den Bischöfen bzw. der Bischofskonferenz obliegt es, den inhaltlichen Kurs der Kirche zu bestimmen.

Die staatskirchenrechtlichen Körperschaften, die Landeskirchen, sind demokratisch verfasst. Mit wenigen Ausnahmen (VS und TI) sind sie das Gegenüber der jeweiligen pastoralen Instanzen. Zudem sind sie zuständig für administrative und finanzielle Belange. Auf nationaler Ebene sind sie in der Römisch-katholischen Zentralkonferenz RKZ zusammengeschlossen.

Gemeinsam zum Ziel

In der Praxis müssen sich die beiden Seiten zusammenraufen und tragbare Lösungen erarbeiten. Dank gegenseitigem Verständnis, grossem Vertrauen und gut eingespielten Prozessen gelingt dies in der Regel gut. Beide Seiten schätzen den Vorteil, sich auf die eigene Kernkompetenz besinnen zu können und zugleich zur Kompetenz der anderen Seite Zugang zu haben.

Was die Kirche tut

Die Kirche ist vielfältig aktiv - mehr, als die meisten Leute glauben. Der gemeinsame Nenner: Die Menschen stehen im Mittelpunkt. Manchmal sind es diejenigen am Anfang des Lebens, manchmal diejenigen am Ende. Und oft all jene mittendrin.

Anderssprachige Gemeinschaften

Die Katholische Kirche war schon immer multikulti. Eine der allerersten Diskussionen in der jungen Kirche drehte sich um die Frage, ob, wie und unter welchen Bedingungen Angehörige anderer Kulturen in der (jüdischen) Bewegung des Rabbi Jesus mitmachen können. Christinnen und Christen gibt es in fast jedem Land der Erde. Viele von ihnen kamen und kommen mit verschiedenen Migrationsbewegungen in die Schweiz. Lange Zeit waren es vorwiegend als Arbeiterinnen und Arbeiter aus Südeuropa. Heute sind es Flüchtlinge aus Äthiopien, Führungskräfte aus Bayern oder Eheleute aus Brasilien.
Die Gründe, sich in der Schweiz niederzulassen sind vielfältig. Doch die Katholische Kirche bietet ein Stück Heimat. In den anderssprachigen Gemeinschaften ist der Gottesdienst wie zuhause. Er findet auf italienisch, kroatisch oder philippinisch statt. Auch die Priester stammen aus der Heimat.
Für die Katholische Kirche sind Menschen aus anderen Ländern eine Bereicherung. Sie sorgen für neue Farben, Klänge und Düfte und fordern bisweilen dazu heraus, eigene Positionen zu überdenken.
Deshalb sind anderssprachige Gemeinschaften in der Katholischen Kirche sehr willkommen. Sie werden finanziell unterstützt. Der Kontakt und die Zusammenarbeit der Gemeinschaften mit ansässigen Pfarreien wird gefördert.

Anderssprachige Gemeinschaften

Spezialseelsorge

Wenn es im Leben schwierig wird, ist die Kirche da. Spital- und Klinikseelsorge, Gefängnisseelsorge, Spiritual Palliative Care, Heimseelsorge und Seelsorge für Asylsuchende werden unter dem Begriff Spezialseelsorge zusammengefasst. Sie arbeitet ökumenisch vernetzt und kooperativ, um Menschen bestmöglich zu unterstützen.Im Auftrag des Kantons Bern arbeiten die Kirchen zudem im Care Team Bern mit. Dieses bietet erste Hilfe bei ausserordentlich belastenden Ereignissen. Zudem sind Seelsorgerinnen und Seelsorger als Armeeseelsorgende im Einsatz.

Spezialseelsorge Bern

Kinder und Jugend

Junge Menschen waren der Kirche schon immer ein Herzensanliegen. Sie sollen zu selbstbewussten, sozialkompetenten und verantwortungsvollen Menschen heranwachsen. Darum gibt es eine Vielzahl von Angeboten, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten. Und viele davon fühlen sich gar nicht so kirchlich an.

Hier eine Auswahl:
Jungwacht Blauring
Pfadi Windrösli
Ministrantinnen und Ministranten

 

 

Kirchliche Feiertage

Rund ums Jahr erinnern Feiertage an bestimmte Ereignisse, die für den christlichen Glauben wichtig sind. Sie sind angeordnet im Kirchenjahr, das mit dem 1. Advent beginnt und mit Christkönig eine Woche davor endet. Die grossen christlichen Feste feiern alle Konfessionen, wenn auch nicht immer gleichzeitig. Andere Feste stehen im Zusammenhang mit bestimmten Vorgängen, die nicht in allen Konfessionen eine Bedeutung haben. So sind Marienfeste eine katholische «Spezialität».

Neben den grossen Festen gibt es eine Vielzahl von kleineren, die zudem nicht überall gefeiert werden. Viele davon sind Heiligenfeste, die bisweilen auf eine Region oder gar eine einzige Pfarrei beschränkt sind. Diese regionalen Heiligen wurzeln oft in vorchristlichen Traditionen, etwa in lokalen keltischen oder germanischen Gottheiten.

Allerdings trägt für Christinnen und Christen jeder Sonntag den Charakter eines Festes. Die ersten Christen feierten in jüdischer Tradition, den Sabbat. Mit der Zeit entwickelte sich aber der Sonntag zum Wochenfesttag, weil er der Tag der Auferstehung Jesu Christi ist. Zudem fiel er im römischen Reich, in dem sich der christliche Glaube zuerst verbreitete, mit dem «Dies solis», dem Tag der unbesiegbaren Sonne, zusammen. Das Strahlen der Sonne wurde auf Christus übertragen. Im Jahr 321 erklärte Kaiser Konstantin den Sonntag zum verpflichtenden Feiertag – nicht nur für Christen, sondern für alle Bürger des Reiches.

Die Feiertage und -zeiten im Einzelnen:

Advent / Weihnachten / Dreikönigstag
Fasnacht und Fastenzeit / Gründonnerstag / Karfreitag / Ostern / Auffahrt / Pfingsten
Mariä Himmelfahrt
Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag
Allerheiligen
/ Allerseelen

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